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If you’re going to San Francisco

Arndt Peltner berichtet aus den USA

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Quer durch die USA

26. Oktober 2007 von peltner

Es war eine interessante Reise in den Sueden. Fuer ein Feature musste ich von Oakland nach Nashville fliegen, von dort ging es mit dem Auto nordwestlich Richtung Kentucky, nach Murray. Die Autovermietung hatte meine reservierte Wagenklasse nicht mehr zur Verfuegung, man fragt sich da schon, warum man ueberhaupt eine Reservierung macht, denn eigentlich ist doch der Grund einer Reservierung, dass der Wagen dann auch da ist! Egal, mir wurde ein riesiger Pickup angedreht, im Sueden der USA ist das ein ganz normales Gefaehrt. Fehlte nur noch das “Gun Rack”, also die Halterung, um das Jagdgewehr im hinteren Fenster anzubringen…
Murray, Kentucky, liegt rund zweieinhalb Stunden nordwestlich von Nashville, eine kleine Universitaetsstadt. Die Landschaft dorthin war wunderschoen, ganz anders als in Kalifornien, alles gruen, saftig, Weideland. Man faehrt meilenweit an offenem Land vorbei, ueberholt Dutzende von Pickups mit Anhaengern, in denen Pferde transportiert werden. Die nicht endenwollenden Pferdekoppeln wechseln sich ab mit Kirchen der verschiedensten christlichen Richtungen und Stroemungen, davor immer wieder riesige Tafeln mit Spruechen wie “God gave us the ten commandments and not the ten suggestions” (Gott gab uns die zehn Gebote, nicht die zehn Vorschlaege).
Am Abend kam ich in Murray an, checkte im Hotel ein und wollte mir noch etwas zum Essen holen. Ein Sandwichladen war schnell gefunden, danach ging es in den Supermarkt, um noch Wasser und ein Bier zu kaufen. Doch auch nach laengerer Suche fand ich keine Alkoholika. Und die Nachfrage an der Kasse stiess nur auf einen entsetzten Blick: “This is a dry county”, ich war in einem “trockenen” Bezirk gelandet und das inmitten des Bourbon Staates Kentucky. Ein Ueberbleibsel aus der Prohibitionszeit, Amerika hat manchmal sehr seltsame Gesichter.

Am Morgen ging es dann zur Universitaet, dort traf ich Professor Bob Lochte. Ihn interviewte ich zum Thema christliche Radiosender in den USA und ihren Einfluss auf die Politik und Moraldebatte im Land. Von Murray ging es mit dem Pickup weiter Richtung Sueden, nach Tupelo, Mississippi. Weite Highways und Kirchen, ueberall Kirchen, kein Wunder, dass diese Gegend “Bible Belt” genannt wird. In Tupelo ist die Zentrale von American Family Radio, einem Netzwerk von Radiostationen, die von Donald Wildmon gegruendet wurden. Wildmon hatte Anfang der 90er Jahre mit einem cleveren Schachzug die Radiolandschaft in den USA kraeftig aufgemischt, ja revolutioniert. Anstelle von immer neuen Radiostationen setzte er auf sogenannte “Translators”, die neben Sendemasten in verschiedenen Staedten, Gemeinden und Gegenden aufgestellt wurden. Die Aufsichtsbehoerde FCC genehmigte Frequenzen in den jeweiligen Kommunen und darauf wurde das Programm aus Tupelo ausgestrahlt. Kostenguenstig und effektiv. Das Jahresbudget von AFR liegt gerade mal bei vier Millionen Dollar. Wildmon begann seinen Feldzug Ende der 70er Jahre, als er die American Family Association gruendete. Seitdem zaehlt er als einer der wichtigsten Kaempfer gegen Homosexualitaet, Abtreibung und den Verfall der Sitten. Seine Senderkette AFR umfasst mittlerweile ueber 200 Stationen im ganzen Land, daneben gibt es noch ein weitverbreitetes Printmagazin und eine Email Liste mit rund drei Millionen Empfaengern. Wildmon und seine Organisationen waren massgeblich an der Mobilisierung der christlichen Waehler im Jahr 2004 verantwortlich, die Praesident Bush letztendlich die Wiederwahl garantierte.
Wenn man wie ich in der San Francisco Bay Area lebt, dann verliert man ein bisschen das Gefuehl fuer das Leben in den USA. Amerika im “Heartland” ist konservativ. San Francisco ist liberal, gilt als Sodom und Gomorrha, als abschreckendes Beispiel fuer christliche Fundamentalisten in den USA. Die fuehrenden demokratischen Politiker, die Sprecherin des US-Kongresses Nancy Pelosi, die beiden kalifornischen US Senatoren Barbara Boxer und Dianne Feinstein, alle drei sind aus San Francisco. Sie muessen sich immer wieder gegen den Vorwurf der “San Francisco Values” wehren. Denn das steht fuer den moralischen Verfall, fuer Homosexualitaet, fuer Entartung und eine klare Absage an die christlichen Werte. Der Besuch in Tupelo offenbarte mir eine ganz andere Seite Amerikas. Sehr beeindruckend…..

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Veröffentlicht in Uncategorized | 1 Kommentar

1 Kommentar zu “Quer durch die USA”

  1. am 8. Januar 2008 um 10:29 am1peter

    Demnach ist San Francisco also das Paradies für moderne Menschen ;-)

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