„Berlin & Beyond“

…so heisst das deutschsprachige Filmfestival, das alljährlich in San Francisco stattfindet. Seit 13 Jahren werden hier Spiel-, Kurz- und Dokumentarfilme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz präsentiert. Das ganze läuft eine Woche lang im wunderschönen Castro Theatre ab, dem grössten und beeindruckendsten Kino der Stadt.

Am Mittwoch ging es mal wieder zu Ende. „Berlin & Beyond“, organisiert vom hiesigen Goethe-Institut, ist das wichtigste kulturelle Ereignis für die Deutschen in der San Francisco Bay Area. Unzählige Artikel und Beiträge in den Medien, mehr als 10.000 Tickets wurden für das Festival verkauft, damit konnte der Rekord vom vergangenen Jahr eingestellt werden. Das Interesse in den USA am Kino aus Übersee wächst weiter. Sicherlich ist San Francisco eine Filmfestivalstadt, hier laufen das ganze Jahr über Festivals, vom arabischen bis zum Ocean Film Festival. Und hier sind die Zuschauer daran gewöhnt Untertitel zu lesen, denn bei „Berlin & Beyond“ gibt es keine Synchronisation.

Hinzu kommt, dass der Erfolg jüngster deutscher Streifen das grundsätzliche Interesse am deutschen Kino in den USA gestärkt hat. Wenn man hier über deutsche Filme spricht, werden sofort Titel genannt, „Das Boot“, „Lola rennt“ und vor allem „Das Leben der anderen“ haben tiefe Spuren hinterlassen. Doch auch solche Erfolge wie „Irgendwo in Afrika“, „Goodbye Lenin“, „Sophie Scholl“, „Der Untergang“, „Gegen die Wand“ oder „Mein Führer“ haben den Amerikanern ein junges, selbstbewusstes und spannendes Kino „Made in Germany“ präsentiert. Als „Berlin & Beyond“ 1996 zum ersten mal die Pforten öffnete, waren viele der gezeigten Filme eher düster, schwer, depriminierend. Aber das hat sich geändert. Mittlerweile ist das Festival zu einem beliebten Auftakt der Filmsaison in San Francisco und Umgebung geworden. Ingrid Eggers, die für das Goethe-Institut, die Filmauswahl trifft, sieht den Wandel im deutschen Kino. Junge Filmemacher, so Eggers, wenden sich ganz offen Themen zu, die lange Zeit unantastbar waren. Sie weisst daraufhin, dass vor allem Streifen mit politischen Themen in den USA eine Chance haben. Doch die sind gut und vor allem anders gemacht als von der Traumfabrik in Hollywood, wo ein Happy End immer dabei sein muss.

Der deutsche Film hat mittlerweile einen guten Stand in den USA. Viele Leute, mit denen ich gesprochen habe, meinten, „Das Leben der anderen“ war für sie der beste Film 2007. Der Oscar im vergangenen Jahr für Florian Henckel von Donnersmarck war dabei nur das Sahnehäubchen für einen beeindruckenden Filmgenuss (Ein Audio-Interview mit dem Regisseur kann auf meiner

Webseite     
  gehört werden).
Das deutsche Kino kommt so langsam wieder in Fahrt, es wird nie wieder die erfolgreiche und vor allem die kreative und innovative Rolle einnehmen, die es in den 20er inne hatte. Man wird auch nie den Erfolg der deutschen Filme mit harten Prozentenpunkten auf dem amerikanischen Markt belegen können. Aber darum geht es auch gar nicht. Viel wichtiger ist, dass deutsche Film- und Kulturschaffende in ihrer Arbeit ein Bild von Deutschland präsentieren wie es heute ist. Interessant, weltoffen, vielseitig, kritisch und auch multikulturell. Die neue Garde der Filmemacher verkörpert all das und macht die Menschen neugierig auf Deutschland – was gibt es schöneres…

0 Kommentare in “„Berlin & Beyond“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Um zu überprüfen, dass Sie eine reale Person und kein Spam-Roboter sind, lösen Sie bitte vor dem EINTRAGEN die nachfolgende kleine Rechenaufgabe, das sogenannte CAPTCHA *