Super Tuesday

Am Dienstag ist es soweit. In 20 amerikanischen Bundesstaaten werden Vorwahlen durchgeführt. Damit könnten am Dienstagabend bereits die Kandidaten beider Parteien für das Weisse Haus feststehen. Das Ende vom Anfang ist der Anfang vom eigentlichen Wahlkampf. Dann geht die Klopperei erst so richtig los. Was im Vorfeld zwischen Obama und Clinton, zwischen Romney und McCain passierte, wird dann als Aufwärmtraining abgetan werden müssen.

Egal, wer von den vier Kandidaten auf die Endstrecke geschickt wird, es wird ein brutaler Zweikampf werden.In den USA herrscht ein Kulturkampf. Hier die konservativen Republikaner, die am liebsten das Rad der Zeit zurück in die Reagan Ära drehen würde. Bei der jüngsten GOP-Debatte in der „Ronald Reagan Library“ in Simi Valley müssen dem ehemaligen Präsidenten im Jenseits die Ohren geklingelt haben, denn so oft wie noch nie wurde sein Name genannt. Komischerweise meinen die republikanischen Präsidentschaftsanwärter, dass unter Ronald Reagan alles im Lot war – mal ganz abgesehen von einem gigantischen Wettrüsten, einer damit verbundenen gewaltigen Staatsverschuldung, dem Abbau des Sozialstaates, dem Verlust von Arbeitsplätzen in der Produktion, der Verslumung vieler Grossstädte….aber der amerikanische Traum lebte in den 80er Jahren (!)Und auf der anderen Seite des Kulturkampfes stehen Hillary Clinton und Barrack Obama, zwei sehr unterschiedliche Kandidaten, mit zum Teil sehr progressiven, europanahen Politikansätzen.

Clinton macht damit Werbung, dass nach vier Jahren Bush Senior ein Clinton das Land wieder auf Vordermann bringen musste. Und nach acht Jahren George W. Bush erst recht ein Clinton ins Oval Office muss,  um Amerika wieder zur führenden Nation zu machen. Vergessen oder unterschlagen wird dabei, dass Bill Clinton das Glück der Stunde hatte, und mit einer boomenden Wirtschaft im Rücken regieren konnte. Die Explosion der High Tech Industrie, das rasante Ausbreiten des Internets schufen Arbeitsplätze Mitte der 90er Jahre. Auch wenn der damalige Vize-Präsident Al Gore einmal meinte, er habe das Internet erfunden, so ist der wirtschaftliche Erfolg der High Tech Branche in den 90er Jahren nicht auf die Politik des damaligen Weissen Hauses zurück zu führen. Unterschlagen wird auch, dass die Gesundheitsreform der Clintons kläglich scheiterte. Vergessen ist auch, dass der Lincoln Bedroom, das Gästezimmer im Weissen Haus, in den 90er Jahren süffisant Motel Room genannt wurde. Damals konnte praktisch jeder großzügige Spender an die Clintons dort übernachten, was nur zu offensichtlich machte, wie eng Bill und Hillary mit der Wirtschaft und bestimmten Interessensvertretern verbunden waren.Hillary Clinton polarisiert und steht nicht für einen Neuanfang in den USA, und den braucht das Land. Amerika ist heute eine gespaltene Nation.

Ich sehe nur einen Kandidaten, der die Chance hätte die USA wieder einigermassen zu vereinen, und das ist Barrack Obama. Obama ist ein politischer Neuling, aber er kann begeistern, junge und alte Amerikaner, Frauen und Männer. Er könnte für einen Neuanfang stehen, wenn er die Chance bekommt. Und ich meine damit nicht nur, wenn er es tatsächlich schaffen sollte, ins Weisse Haus zu kommen. Wichtig ist, und das darf nicht vergessen werden, dass die demokratischen Mehrheiten im Senat und Kongress mit aller Wahrscheinlichkeit im November kippen werden. Die Demokraten unter Nancy Pelosi und Walter Reid haben es in den letzten zwei Jahren nicht geschafft, ein anderes Klima nach Washington zu bringen, schlicht und einfach, sie haben als Mehrheitspartei versagt. Das heisst, ein Präsident Barrack Obama müsste im Falle eines Wahlsieges mit einem republikanisch dominierten Kongress zusammen arbeiten.

Wie schwer das ist, das erlebt derzeit George W. Bush, der nur noch als „lame duck president“, als lahme Ente bezeichnet wird, denn gegen Pelosi und Reid kann er nichts mehr durchsetzen. Politisch hat er so gut wie nichts mehr zu sagen, seine „Rede zur Nation“ in der vergangenen Woche unterstrich dies sehr anschaulich.Barrack Obama schafft es im Wahlkampf die Menschen mitzureissen, sie eine bessere Zukunft spüren zu lassen, er gibt ihnen Hoffnung und eine Vision – auch erklärte Republikaner empfinden das. Obama könnte der Präsident sein, denn dieses Land derzeit braucht, alles hängt davon ab, wie er im Falle einer Wahl auf den politischen Gegner zu gehen wird. Denn ohne die Grand Old Party läuft in den USA so oder so nichts. 

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