Tokio Hotel

Am Donnerstag berichtete meine Nürnberger Kollegin Nina Pauler in den

Radio Goethe Magazine Nachrichten     
vom umjubelten New Yorker Auftritt der deutschen Teenie Band. Und ich muss gestehen, das war für mich neu. Irgendwie hatte ich das total verschlafen, obwohl ich viel mit der deutschen Gemeinde in den USA und viel mit der deutschen Musikszene zu tun habe. Aber das lief anscheinend in anderen Kanälen ab.

Am Freitag dann bekam ich über einen Rundbrief der Deutschlehrer in den USA einen Link der New York Times zugeschickt, in dem der Auftritt von Tokio Hotel besprochen wurde. Und da wurde auch von weiteren Konzerten und einer bevorstehenden CD-Veröffentlichung berichtet. Ich bin gespannt, ob sich der Erfolg einstellen wird, denn der amerikanische Markt ist sicherlich mehr als interessant für deutsche Acts, aber eben auch sehr, sehr schwierig zu beackern. Tokio Hotel haben den Rückhalt einer grossen Plattenfirma in Deutschland und wohl auch hier in den USA. Das ist ein Vorteil, aber keine Garantie für einen langfristigen Erfolg.

Das Beispiel Rammstein zeigt beides. Rammstein sind oft und lange quer durch die Vereinigten Staaten getourt, haben gerade durch ihre Live-Präsenz überzeugt und viele Fans dazu gewonnen. Und sie haben mit Universal einen starken Partner. Doch obwohl Rammstein in den USA rund eine Million CDs verkauft haben, hat sich der Erfolg nie richtig messen lassen.

Touren sind teuer und aufwändig und ein Major Label wie Universal will schnell grosse Erfolge sehen. Und amerikanische Plattenleute lassen sich nicht gerne von Ablegern in Deutschland Bands vor die Nase halten, die man noch nicht mal versteht, und die man nur schwer vermarkten kann. Radio Promotion war immer ein Problem für Rammstein. College Radios spielten nur zu gern die Metallrocker aus Berlin, aber kommerzielle Sender beschränkten sich meist auf die englischen Versionen von „Du hast“ und „Engel“. Deutsche Texte kommen hier so gut wie kaum im Radio vor. Auch die erfolgreichen NDW-Hits Nenas „99 Luftballons“, Peter Schillings „Major Tom“ oder Falcos „Der Kommissar“ werden nach wie vor nur in englischer Fassung gespielt.

Das könnte auch ein Problem für Tokio Hotel werden. Denn ohne breites „Airplay“ ist eine der ganz wichtigen Werbemassnahmen verbaut. Auch wenn man, wie im Fall Tokio Hotel, klugerweise auf Internetforen und neue Promotionwege setzt. Seit einiger Zeit schon wird über die deutsche Teenie Band auf verschiedenen amerikanischen Foren diskutiert. Hier beobachtet man genau, was sich in der deutschen Musikszene tut. Touren von „And One“ oder „De/Vision“, die gerade durchs Land fahren, werden eingehendst besprochen.Es ist eine Seltenheit, dass eine kommerziell erfolgreiche deutschsprachige Band den Schritt über den grossen Teich wagt, die dazu auch noch Musik macht, die nichts aussergewöhnliches ist, also nichts ist, was Amerika nicht selber hat.

Man kann den Jungs von Tokio Hotel nur Glück wünschen in einem Musikmarkt, der schnellebig und gnadenlos ist. Und vielleicht schaffen sie es sogar, wie vorher schon Rammstein, viele junge Amerikaner neugierig auf die deutsche Musikszene zu machen.

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