Showdown at High Noon

Na ja, zur Mittagszeit gab es das Duell in Texas (und Ohio, Vermont und Rhode Island) nicht gerade, aber es wurde vorab als das eigentliche Finale bezeichnet. Hillary Clinton wurde am Abend zuvor via Satellit in die wichtige Abendsendung „The Daily Show with Jon Stewart“ zugeschaltet und Barack Obama rollte mit einem neuen Mariachi Werbespot durch den Flächenstaat des Lone Ranger.

Und dann kam der Tag der Entscheidung, Hillary schwitzte Blut und Wasser, denn am Abend schon könnte ihr Traum von der ersten Präsidentin ausgeträumt sein. Im Vorfeld wurden die Stimmen in der demokratischen Partei lauter, die sie zur Aufgabe aufforderten, falls sie in Ohio und Texas verlieren sollte. Obama hingegen gab sich cool und zuversichtlich. Er war sich seiner Sache gewiss. Doch der Abend brachte keine Entscheidung, zumindest nicht für die Demokraten. Die Kleinstaaten wurden fair aufgeteilt, Vermont fiel an Obama, Rhode Island an Clinton. Dann die erste Überraschung, Hillary Clinton konnte Ohio für sich verbuchen. Und schliesslich die zweite, lange Zeit lag sie in der Auszählung der Stimmen hinten, doch auch in Texas holte die New Yorker Senatorin auf und lag am Abend vorne. Interessanterweise rief spiegel.de Clinton bereits als Sieger der Vorwahl in Texas aus, noch bevor dies die die amerikanischen Medien taten. Bis zuletzt blieb das Rennen spannend.

Ganz anders bei den Republikanern. John McCain machte Nägel mit Köpfen. Er sicherte sich am Dienstagabend die Nominierung seiner Partei, die ihn so gar nicht als Kandidaten will. Vor einem Jahr galt er politisch als tot, doch dann schmiss er alles um, feuerte Berater, pumpte sich nochmal Geld und McCain machte das Unmögliche möglich. Er stürmte von ganz hinten in die Spitzengruppe, drängte Mister 9/11 Rudy Giuliani, den konservativen Liebling und Schauspieler (Law and Order) Fred Thomspon und den superreichen Geschäftsmann und früheren Gouverneur von Massachussetts Mitt Romney aus dem Rennen. Am Ende blieb nur noch Mike Huckabee, Prediger und ehemaliger Gouverneur von Arkansas. Doch auch der musste am Dienstag die Segel streichen. Am Abend stand John McCain genau da, wo er eigentlich schon im Jahr 2000 stehen wollte, im Rampenlicht der eigenen Partei. Damals hatte ihm George W. Bush mit einem niederträchtigen Wahlkampf die Nominierung geklaut, und nun würde genau dieser George W. Bush ihm morgen in Washington auf die Schultern klopfen, ihm gratulieren und die volle Unterstützung zusichern. Man konnte McCain an diesem Abend die Genugtuung über diesen Triumph deutlich ansehen.

Mike Huckabee hingegen galt als Überraschung im Rennen, er rannte weiter, obwohl schon früh klar war, dass er keine Chance hat. Doch Huckabee hat höhere Ziele. Schon seit einiger Zeit fehlt den Evangelikalen im Land eine Führungsperson. Nahmen sie im Wahlkampf 2004 noch eine wichtige Rolle ein, sind sie heute verblasst und nur noch eine Randerscheinung ohne grossen Einfluss. Der redegewandte Huckabee verstand es jedoch im Wahlkampf die christliche Basis in den USA zu mobilisieren. Noch am Abend bedauerten Kommentatoren das Ausscheiden Huckabees, dessen selbstsicheres und charismatisches Auftreten „sich so manch anderer Kandidat wünschen würde“, so FOX News. Mike Huckabee nutzte das nationalweite Rampenlicht, um seinen Namen bekannter zu machen und sich für eine Führungsrolle in der christlichen Bewegung des Landes zu empfehlen. Und auch, um sich als Vize-Präsidentschaftskandidaten für John McCain zu bewerben, denn der braucht einen „echten“ Konservativen und jemanden, der die christliche Basis der Grand Old Party überzeugen kann. McCain und auch Huckabee haben weitgehendst einen fairen und respektvollen Wahlkampf geführt und sich nicht bis aufs Messer gefetzt. Von daher könnte ein Ticket McCain/Huckabee durchaus möglich sein.

Die Demokraten kämpfen aber erst einmal weiter, reden über viel belangloses Zeugs, verpassen sich hier und da ein paar Tiefschläge, versprechen dem gleichen Wahlvolk was es hören will und geben noch ein paar Millionen von Dollar aus. Ein paar Staaten dürfen noch in den Vorwahlkampf eingreifen, ob das aber eine Entscheidung herbei führt, ist fraglich. Nach diesem Dienstag ist das Rennen wieder offen, auch wenn ich nach wie vor glaube, dass Obama am Ende gewinnen wird. Hillary Clinton aber wird nicht so einfach aufgeben und sich bestimmt noch ein paar nette Runden mit ihrem Senatorenkollegen liefern. Erst im August ist der Parteitag in Denver angesetzt, es könnte also bis dahin dauern…na, gut‘ Nacht, Marie!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Um zu überprüfen, dass Sie eine reale Person und kein Spam-Roboter sind, lösen Sie bitte vor dem EINTRAGEN die nachfolgende kleine Rechenaufgabe, das sogenannte CAPTCHA *