Todesstrafe

Hinrichtungskammer San QuentinDer Gerichtsentscheid des höchsten amerikanischen Gerichtshofes, dass Todesspritzen bei Hinrichtungen durchaus rechtens sind und nicht gegen die US Verfassung verstossen, sollte nicht als Überraschung kommen. Damit wiesen die Verfassungsrichter die Klage zweier Häftlinge aus Kentucky ab, die begründeten, der Todescocktail wäre eine „ungewöhnliche und grausame“ Strafe.

In ersten Reaktionen aus Deutschland zeigt man sich überrascht über diesen Entscheid. Warum, denn nun ist genau das klar geworden, was eigentlich schon seit Jahren offensichtlich war. Amerika ist nicht gegen die Todesstrafe eingestellt, sondern nur dagegen, dass Unschuldige hingerichtet werden könnten. Die Todesmaschine als solche wurde nie in Frage gestellt.

Ich war immer wieder verwundert, wie deutsche Medienvertreter über das Thema berichteten. Sie sahen die Moratorien oder offenen Einsprüche als Zeichen dafür, dass sich ein Umdenken in den USA breit macht, die Todesstrafe an sich in Frage gestellt wird und eventuell abgeschafft werden wird. Reine Blendung, wer hier mit den Menschen spricht, dem Volk aufs Maul schaut, wer hier einmal bei politischen Diskussionen genau zu hört – sowohl im demokratischen wie auch im republikanischen Lager – der weiss, die Amerikaner unterstützen die Höchststrafe.

Der Richterspruch könnte zu keiner ungelegeneren Zeit kommen. Am Vorabend landete der Papst in Washington DC, der gleich am Anfang deutlich machte, dass er gegen den Irakkrieg UND gegen die Todesstrafe ist.

Und auch international wird so ein Urteil nicht helfen, das Ansehen der USA zu verbessern. In Europa wird man mit dem Finger auf die Barbaren jenseits des Atlantiks zeigen, in denen auch nach Bush eine Wild West und Cowboy Mentalität herrscht, wo Schwerkriminelle einfach am nächsten Baum aufgeknüpft werden.

Seit September wurden in den USA keine Hinrichtungen mehr vollzogen. Das wird sich nun schlagartig ändern. Die Gefängnisse im ganzen Land sind voller Todeskandidaten. Im kalifornischen San Quentin sind doppelt so viele Häftlinge im Todestrakt untergebracht wie ursprünglich geplant. Die Exekutionsmaschine wird anlaufen und in den kommenden Monaten auf Hochtouren laufen. Hier ist ein kleiner Eindruck von der Hinrichtungskammer in San Quentin.

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