„We are all Americans…“

National_Park_Service_9_11_Statue_of_Liberty_and_WTC_fire.jpg„We are all Americans…“ An diese Worte erinnere ich mich noch gut. Der 11. September ist so ein Tag, an dem jeder weiss, wo er war und was er machte, als die Flugzeuge in die Türme des World Trade Centers rasten, ein Jet das Pentagon traf und ein weiterer in Pennsylvania abstürzte.

Ich lag im Bett und schlief als mich Antenne Thüringen gegen 6 Uhr morgens meiner Zeit aus dem Bett klingelte. „Was ist denn da bei Euch los“, fragte mich der Redakteur. „Wie jetzt, keine Ahnung, ich habe noch geschlafen“. „Na, mach mal den Fernseher an“.

Die Bilder trafen. Nie werde ich den Einschlag des zweiten Fliegers vergessen. Ich ging nach oben und weckte meine Bekannte, die zu Besuch war, selbst eine Journalistin. Ich sehe sie noch heute in der Küche sitzen. Mit ihrem weissen Bademantel. Stundelang starrte sie auf die Mattscheibe und konnte es, wie wir alle, nicht fassen.

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„We are all Americans…“ hörte man an diesem und den folgenden Tagen immer wieder. Sogar Freunde in Deutschland, die ablehnend den USA gegenüber standen, riefen mich an und sagten diese Worte, baten mich den Amerikanern, die ich kenne, genau das mitzuteilen „we are all Americans“.

Amerika hat sich in den vergangenen sieben Jahren verändert. Alles ist anders geworden. Mit Angst wurde und wird Politik gemacht. Das Misstrauen ist gewachsen. Wann und wo wird der nächste Anschlag stattfinden? Sogar die Menschen in der Mitte von Nirgendwo haben Angst vor einem terroristischen Anschlag. Amerika hat für mich an diesem 11. September 2001 seine Seele verloren. Das, woran Generationen von Menschen geglaubt, für das sie vieles aufgegeben, für das sie gekämpft haben, für das sie auch gestorben sind.

Die Frage muss erlaubt sein, was wohl aus einem Präsidenten Bush geworden wäre, wenn die Terroranschläge nicht passiert wären? Hätte Amerika einen anderen Weg eingeschlagen, nicht einen, der sie international isolierte? Wie wären die zig Milliarden Dollar, die im Irakkrieg verpulvert wurden im Inland eingesetzt worden? Hätte der Texaner 2004 eine zweite Amtszeit zugesprochen bekommen, wenn er nicht den gesamten Wahlkampf auf die Angst vieler Bürger aufgebaut hätte?

Hätte, hätte, hätte….sieben Jahre liegen nun hinter uns. Sieben Jahre, in denen ich als Deutscher in Amerika die Politik der Bundesregierung verteidigen musste, nicht an der Seite der USA in den Irak einzumarschieren. Sieben Jahre, in denen mir gesagt wurde, ich solle doch dahin gehen, woher ich gekommen bin? Sieben Jahre, in denen ich hören musste, dass wir Deutschen undankbar seien und anscheinend nicht wüssten, wie es wäre, wenn man angegriffen wird?

Aber ich habe auch die andere Seite gehört. Menschen, die die Haltung Deutschlands und der Deutschen gut fanden. Die sich daran erinnerten, dass Hunderttausende Deutsche nach den Anschlägen auf die Strassen gingen und so ihre Solidarität mit den Amerikanern ausdrückten. Die die Haltung Deutschlands begrüssten, nicht in einen widersinnigen Krieg zu ziehen.

Amerika wurde mit den Terroranschlägen des 11.9. gespalten, nie war der Graben zwischen den politischen Lagern tiefer und unüberbrückbarer. Das Schwarz-Weiss Denken nahm Einzug in die Politik. Man ist für Amerika und seinen Präsidenten oder dagegen. Wer den Präsidenten in Kriegszeiten kritisiert ist unpatriotisch und spielt dem Feind zu. Die politische Auseinandersetzung wurde zur Hexenjagd, die Produzenten von amerikanischen Flaggen und Anstecknadeln (made in china) erfreuten sich an riesigen Gewinnen.

Und sogar im aktuellen Wahlkampf wurde der Demokrat Barack Obama öffentlich gemassregelt, warum er keine Anstecknadel der amerikanischen Fahne trage. „Ist Obama unpatriotisch?“ fragte eine Schlagzeile. Seitdem trägt der Demokrat die Flagge. Und wir?

An diesem 11.9. werden wir alle ein bisschen zu Amerikanern. In der Trauer und dem Gedenken an die Opfer und an das, was wir verloren haben, finden wir zusammen.

9/11      

0 Kommentare in “„We are all Americans…“

  1. Sehr gut zusammengefasst! Ich fühle mit den Opfern, doch dass dabei die Demokratie Schaden nimmt, weil mir der Angst Politik gemacht wird, ist erschreckend. Manchmal kann man auch Flagge zeigen, indem man sein Fähnchen nicht in den Wind, sprich ans Revers hängt!

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