„Kehr ich einst zur Heimat wieder…“

Ich lernte Hans vor ein paar Jahren kennen, als ich in der „Peter Buhrmann Radioshow“ aushalf und an jenem Sonntagmorgen das Schlesierlied spielte. Vorher erzählte ich ein bisschen von meinem Vater und unserer gemeinsamen Reise mit der gesamten Familie nach Klopschen und Glogau. Hans rief an und war den Tränen nahe, meinte, er habe das Lied schon so lange nicht mehr gehört und ob ich es ihm nicht auf einer Kassette zuschicken könnte.

So lernten wir uns kennen. Er lud mich ein, doch mal zu ihm zu kommen, was ich auch machte und dabei begann er zu erzählen. Geboren 1914 in Bielau, Schlesien, aufgewachsen in Falkenberg. In den 30er Jahren ging er zur Marine und kam Anfang 1939 mit einem Schiff nach San Francisco, darauf Ersatzteile für ein deutsches Boot, das mit einem Motorschaden im Hafen lag. Während der Überfahrt geriet er mit einem Offizier aneinander. Auf dem Rückweg, entlang der amerikanischen Westküste, nahm ihn ein Vorgesetzter zur Seite und meinte zu ihm, er solle von Bord gehen, denn es gebe die Überlegung, ihn aufgrund der Auseinandersetzung mit dem Offizier vor ein Militärgericht zu stellen. Als das Schiff durch den Panama Kanal fuhr, ging Hans von Bord, versteckte sich anfangs in Panama, lebte und arbeitete dort illegal.

Mit dem Ausbruch des Krieges war ihm eine Rückkehr nach Deutschland nicht mehr möglich, er wurde als Ausländer geduldet. Doch dann kam im Dezember 1941 der Angriff der Japaner auf den militärischen Stützpunkt der Amerikaner in Pearl Harbor, Hawaii. Damit änderte sich das Leben für Hans, der zu dieser Zeit auf einer Kaffeeplantage beschäftigt war. In den frühen Monaten des Jahres 1942 verhaftete das FBI, mit Zustimmung und Kenntnis der jeweiligen Regierungen, Tausende – zumeist – Japaner, aber auch Deutsche, die in Mittel- und Südamerika lebten, um sie in Internierungslager in die USA zu bringen. Darunter auch Hans, den man kurzerhand zum Sprecher der Japaner machte, obwohl er kein Japanisch sprach, die auch angab, aber als Antwort erhiel:. „You’re doing just fine“.

Die Fahrt mit dem Schiff ging nordwärts und so kam man Mitte 1942 in Fort Mason, San Francisco an, von dort ging es 20 Meilen südlich nach Pacifica, wo für kurze Zeit ein Internierungslager eingerichtet worden war. Die Japaner und auch einige Deutsche wurden kurz darauf weiter in Camps wie in Bismarck, North Dakota oder Crystal City, Texas gebracht. Hans dagegen bekam die Erlaubnis, und unter Auflagen, in San Francisco zu bleiben. Er galt als nicht gefährlich, da er zwar ein deutscher Soldat war, aber bereits vor dem Ausbruch des Krieges Deutschland verlassen hatte und fliessend in drei Sprachen war. Nach Kriegsende sollte er allerdings zurück nach Deutschland.

Doch Hans blieb, ganz legal reiste er 1945 kurz nach Kanada, um dann wieder zurück nach San Francisco zu kommen, die Stadt, von der er schon als Junge träumte. Er erzählte mir, dass er begeistert die Geschichten von Jack London gelesen hatte und es in einem der Bücher ein Bild von London mit dem Blick von Twin Peaks auf die San Francisco Bay gab. Und genau da, wo Jack London damals sass, kaufte sich Hans ein Haus, mit einem wunderschönen Blick auf die „City by the Bay“.

Hans war ein Weltenbummler, dem es die Reisen von Captain Cook angetan hatten. „Ich war überall im Südpazifik, wo auch Captain Cook war“, meinte er mal und berichte von einer deutschen Brauerei auf Samoa, einem fröhlichen Beisammensein auf Tonga.

Er arbeitete als Maschinist, war nie verheiratet, aber sehr mit den Deutschen in der Bay Area verbunden. Wenn man mit ihm durch die Stadt fuhr, zeigte er mir an den verschiedensten Ecken, wo früher ein deutscher Bäcker, Metzger oder Laden war. Er berichtete von den deutschen Vereinen, den Sängerabenden, sogar dem Verein der Schlesier, den es schon lange nicht mehr gibt. Hans war so ein typischer deutscher Einwanderer in den USA, der hier ein neues Zuhause, doch keine neue Heimat fand. Er nahm nie die amerikanische Staatsbürgerschaft an, blieb Deutscher, vor allem Schlesier. Am Samstagabend um 19.05 starb er, fünf Tage vor seinem 94. Geburtstag. Auf meinem iphone spielte ich noch einmal das Schlesierlied für ihn, als letzten Gruss… „Kehr ich einst zur Heimat wieder…Mein Schlesierland, mein Heimatland…“

Schlesierlied      

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