Der Tod von Oscar Grant und das Blog

Ich bin wirklich über die Reaktionen auf meinen Blogeintrag „Tödlicher Irrtum mit verheerenden Folgen“ überrascht. Nun gipfelten sie sogar in folgendem Kommentar von Salim Spohr:

„Es ist mir schier unbegreiflich, wie es möglich ist, daß die Nürnberger Zeitung den Vorfall der Erschießung Oskar Grants in Oakland durch einen BART-Polizisten unter den euphemischen Titel «Tödlicher Irrtum mit verheerenden Folgen» bringen kann. Da hat ein Polizist einen gefesselten mit dem Bauch auf dem Boden liegenden jungen Mann von hinten einfach erschossen, und Sie schwafeln von einem tödlichen Irrtum, bevor der Fall überhaupt ordentlich untersucht wurde?? – So etwas nenne ich, Dreck unter den Teppech kehren. – Welcher Journalist ist für den Wortlaut dieses Titels verantwortlich? – Ihm sollte man in Zukunft kein Wort mehr glauben.“

Dazu möchte ich gerne ein paar Anmerkungen machen. Ich lebe in Oakland und verfolge hier die Medien und alle Sichtweisen zu diesem Fall. Der Tod von Oscar Grant, der gefesselt und mit dem Bauch auf dem Boden lag, als der tödliche Schuss aus der Waffe von BART-Polizist Johannes Mehserle fiel, ist tragisch. Ich habe als einer der ersten Journalisten in den deutschen Medien über den Fall berichtet, weil mir eben auch die explosiven Folgen davon mehr als klar sind. Und wer mir vorwirft, „Dreck unter den Teppich zu kehren“ verkennt schlichtweg, dass hier im Blog das Video von dem Zwischenfall gezeigt wurde und wird. Mit keinem Wort habe ich die Tat des Polizisten verteidigt oder relativiert, vielmehr nur das wiedergegeben, über was hier vor Ort in den Medien berichtet wurde und wird. Dabei ging es natürlich um die Frage, wie sowas passieren konnte. Niemand geht davon aus, dass der BART-Polizist einfach so und vor seinen Kollegen und Dutzenden von Zeugen seine Waffe zog und den vor ihm liegenden Mann kaltblütig erschoss. Die Diskussion geht vielmehr in die Richtung, dass er wohl aus Versehen und in dieser Stresssituation die Pistole zog, anstatt der „Taser Gun“. Das Wort „Versehen“ soll hier nicht die Tat relativieren, sondern nur wiedergeben, in welche Richtung die Ermittlungen laufen…denn von Mord geht hier bei den ermittelnden Behörden und in den (seriösen) Medien keiner aus.

0 Kommentare in “Der Tod von Oscar Grant und das Blog

  1. Wie sie es ja selbst so schön schreiben „Die Diskussion geht vielmehr in die Richtung, dass er WOHL aus Versehen und in dieser Stresssituation die Pistole zog, anstatt der “Taser Gun”.“ das WOHL finde ich hier wichtig. Denn es zeigt ganz klar das alle Seiten nur spekulieren.
    Fakt ist allerdings das selbst die Teaser Gun in der Situation nicht notwendig gewesen wäre, es ging weder von Oscar Grant noch von einem der anderen Verhafteten eine Gefahr aus, es war schlicht und ergreifend nichts von einer Bedrohung für die Polizisten zu sehen.
    Demzufolge muß es sich die Polizei und der Beamte im einzelnen zu recht gefallen lassen wenn von der aufgebrachten Öffentlichkeit auch über Mord spekuliert wird.

  2. Arndt, dieser Blogeintrag gleicht fast einer Rechtfertigung, die zumindest in meinen Augen überhaupt nicht nötig erscheint, wenn man den kritisierten ersten Beitrag ordentlich und vor allem (!) vollständig liest,oder?
    Der Einzige der polarisiert, ist der Verfasser des oben zitierten Kommentars…

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