Die USA-Connection von NPD und DVU

Als ich vor ein paar Jahren für ein BR-Interview nach Florida flog, um dort etwas über den fränkischen Flugpionier Gustav Weisskopf zu erfahren, hatte ich auch eine sonderbare Begegnung. Im Haus jenes Mannes, den ich über Weisskopf befragte, sass auch der Nachbar, der mich mit den Worten begrüsste, wir seien ja Kollegen. Ich wunderte mich etwas, denn er war schon im betagten Alter und sah so aus, als ob er schon längere Zeit in Florida lebte. Er nahm meinen verdutzten Blick auf und meinte: Ja, er habe auch mal für den Deutschen Rundfunk gearbeitet. Vor etlichen Jahren. Sein Boss sei damals Joseph Goebbels gewesen, doch er „musste“ 1945 „ganz schnell“ aus Deutschland nach Argentinien ausreisen. Von dort ging es dann ein paar Jahre später weiter in die USA. Und dort traf er einige ehemalige Kameraden. Die USA und Florida wurden für viele Alt-Nazis zum neuen Lebensraum.

Auch in San Francisco traf ich ältere Deutsche, die bestimmte braune Gedanken vertraten und mit denen auch nicht hinter den Berg hielten. Einer erklärte mir unumwunden, dass er die Nationalzeitung des DVU-Mannes Frey abonniert habe und er die Partei und auch die NPD von hier aus unterstütze, denn sie verträten die Interessen Deutschlands. Auf Nachfrage fügte er hinzu, dass in den USA und auch hier in Kalifornien viele national gesinnte Deutsche seien, die die „Bewegung“ in Deutschland finanziell und auch organisatorisch förderten.

Damals machte ich mir keine weiteren Gedanken darüber, bis ich nun vor kurzem im Haus eines Bekannten Abzeichen, Bücher und Mitgliedsunterlagen des „Aktionskomitees Oder Neisse“ fand, einer DVU nahen Organisation, die 1962 von Gerhard Frey, Erwin Arlt und Bolko von Richthofen gegründet wurde und aus der die DVU hervorging. Hier in San Francisco gab es eine lokale Untergruppe, die jahrelang Gelder sammelte und sich zu Veranstaltungen traf. Sogar Weihnachtsfeiern wurden organisiert, an denen am Pazifik „Oh Tannenbaum“ und „Ihr Kinderlein kommet“ gesungen wurde.

Weitere Recherchen ergaben bislang wenig. Fest steht allerdings, dass die deutschen Neo-Nazi Gruppen und Rechtsparteien über Jahrzehnte nicht nur von erklärten Nazis, wie der NSDAP-AO aus Lincoln, Nebraska, gefördert wurden. Auch viele deutsche Auswanderer oder „Flüchtlinge“, wie der nette Nachbar aus Florida, haben aktiv und mit erheblichen Geldmitteln am braunen Kampf in der Bundesrepublik teilgenommen.

Einer offenen Frage gehe ich derzeit noch nach, inwieweit diese finanzielle und organisatorische Unterstützung für „braune“ Gruppen in Deutschland noch läuft.

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