Nass in Kigali
5. Februar 2010 von peltner
Gestern Abend und in der Nacht hat es Bindfäden geregnet. Am Nachmittag war ich in der Stadt unterwegs als der Regen anfing. Wahnsinn, es schüttet dann aus Eimern. Die Strassen werden zu Bächen, braunes Wasser läuft die Hügel runter. Die Luft danach reiner, der rote Staub gebunden, tut richtig gut.
Als ich da so unter einem Wellblechdach stand, war fast neben mir ein Mann mit nur einem Auge. Kurz vorher sah ich eine Frau in einem Supermarkt, die eine lange Narbe auf der Stirn hatte. Hier fragt man sich gleich, ob das Zeugnisse des Genozids von 1994 sind. Die 100 Tage im Frühjahr ‘94 sind noch immer so gegenwärtig. Man stolpert hier quasi über die Geschichte, entweder in Form von Erzählungen von Menschen, die Familienmitglieder oder Freunde verloren haben oder eben in solchen Situationen, wie unter diesem Wellblechdach.
Es ist ein seltsames Gefühl durch die vollen Strassen von Downtown Kigali zu spazieren. Man fragt sich, wer von den Passanten was und wie und überhaupt damals gemacht hat. Täter, Opfer, Unbeteiligter….Man weiss es nicht, man will es auch gar nicht wissen. Das Leben hier geht weiter, muss weiter gehen. Doch die ruandische Gesellschaft ist geprägt von Tod, Trauer, Schuld und Sühne. Ob sie genesen ist, das lässt sich nicht sagen, nicht feststellen. Man sagt hier, man ist auf dem richtigen Weg. Doch ich glaube, verwundern würde es niemanden, wenn es wieder krachen sollte.
Gestern Abend habe ich auch noch Linus getroffen, der aus Neustadt/Aisch ist. Er ist seit fast einem halben Jahr hier. Das Programm “kulturweit” des Auswärtigen Amtes hat ihn nach Ruanda gebracht. Linus hat ein sehr interessantes und ausführliches Blog über seine Erfahrungen in Ruanda geschrieben: linus.in/ruanda. Es lohnt sich mehr als ein Blick.
