Hundekampf ist Meinungsfreiheit

Die Amerikaner lieben ihre sogenannte Meinungsfreiheit. Darunter packen sie alles, was woanders als kriminell, geschmacklos, verabscheuend angesehen wird. Nun hat der oberste Gerichtshof in den USA ein Urteil gefällt, das katastrophale Folgen haben wird. In einer 8:1 Entscheidung erklärten die Verfassungsrichter, dass Videos von brutalen Hundekämpfen unter die Meinungsfreiheit, die „Freedom of Speech“ fällt. Hundekampf

Die Richter erklärten ein 1999 vom US Kongress verabschiedetes Gesetz gegen solche Filme als verfassungswidrig. Damals waren rund 3000 Videos von Hundekämpfen im Handel. Der Gesetzgeber reagierte und machte solche Filme illegal, klagte einen Händler an, der sich als „Journalist und Autor“ bezeichnet. Doch der Mann ging in die Berufung, bis der Fall schliesslich vor dem Verfassungsgericht landete. Die Folgen dieses Urteils sind schon jetzt zu sehen, brutalste Kampffilme, sogenannte „Crush Videos“ zwischen Hunden sind bereits wieder auf dem Markt, diesmal ganz legal erhältlich. Armes Amerika!

6 Kommentare in “Hundekampf ist Meinungsfreiheit

  1. Widerliches Zeug, fürwahr. Aber man sollte schon erwähnen, dass die Meinungsfreiheit in den USA nicht nur so ein Nebenbürgerrecht ist wie bei uns, das vom Staat bis zur Unkenntlichkeit eingeschränkt werden darf, sondern einer der zentralen Grundpfeiler der US-Verfassung. Und deswegen unter allen Umständen vom Supreme Court verteidigt wird. Auch wenn die Ergebnisse für einen Durchschnittsmitteleuropäer dann manchmal merkwürdig sind. Das sollte man immer berücksichtigen, wenn man über Vorgänge in den USA urteilen will.

  2. Tut mir leid, aber ich sehe mich nicht als „Durchschnittsmitteleuropaer“, der „über Vorgänge in den USA urteilen will“. Ich lebe in den USA, und das nun schon sehr lange. Ich maße mir nicht an, über die Amerikaner zu urteilen, ich stecke hier mitten drin und sehe und höre, wie die Leute um mich herum reden und urteilen.
    Und dieses Urteil repräsentiert nicht die Meinung der meisten Amerikaner. Das Verbot dieser Filme wurde von 26 Bundesstaaten und allen Tierschutzorganisationen unterstützt, die das auch in der Anhörung deutlich machten.

  3. Ich meinte mit „Durchschnittsmitteleuropäer“ auch nicht Sie. Sondern eben einen abstrakten Durchschnittsmitteleuropäer.

    Was die Mehrheit der Amerikaner zu diesem Fall meint weiß ich nicht. Aber es besteht eine mehr als 200jährige Rechtstradition in den USA, bestimmte Grundrechte fast absolut gegen jeden staatlichen Eingriff zu verteidigen. Die Meinungsfreiheit gehört dazu. Unabhängig davon was eine „Mehrheit“ dazu sagt oder auch nicht. Es gehört zum Wesen eines Grundrechts, dass es nicht von einer Mehrheitsmeinung abhängt. Das finde ich bemerkenswert und höchst respektabel. Von „armes Amerika“ keine Spur.

    Dass dann das Ergebniss in manchen Fällen für Europäer (abstrakt), die es gewohnt sind, dass ihre Staaten und Gerichte für jeden kleinen tatsächlichen oder vermeintlichen Mißstand mit der Verbotskeule zuschlagen können unverständlich ist, kann ich nachvollziehen. Ebenso den Ärger von Amerikanern, die solche Videos verhindern wollen. Aber in letzter Konsequenz werden viele Amerikaner in diesem Fall das Argument der Meinungsfreiheit zumindestens zähneknischend akkzeptieren, weil es ihrer Kultur entspricht.

  4. Glauben Sie mir, ich sehe das Recht auf Meinungsfreiheit als ein sehr hohes Gut an. Allerdings habe ich ein Problem damit, Filme, die brutalste Kämpfe zwischen Hunden zeigen, die bis aufs Blut und bis zum tödlichen Ausgang geführt werden, als eine „Meinungsäusserung“ zu sehen. Das hat auch nichts mit der „Freiheit der Kunst“ zu tun. Und sich bei solchen Videos hinter den Schutz der Meinungsfreiheit zu stellen untergräbt meiner Meinung nach das eigentliche Grundrecht. Das war sicherlich auch nicht im Geiste der amerikanischen Gründerväter.

  5. Konkret geht es hier um die Pressefreiheit, einer Unterkategorie der Meinungsfreiheit. Und eine Doku über Hundekämpfe fällt nun einmal darunter.

    Und die Einstellung, der Staat müsse zum Schutz der Grundrechte diese aber gehörig einschränken, ist, wie soll ich es ausdrücken, einigermaßen „schäublesk“. Oder eben typisch deutsch. Das war gerade nicht die Einstellung der „Gründerväter“.

    Die amerikanischen Gründerväter waren übrigens so ziemlich alle Sklavenhalter, die diese wahrscheinlich regelmäßig durchprügeln liessen. Ich glaube nicht, dass die überhaupt etwas gegen Hundekämpfe hatten. 😉

  6. Die angesprochenen Videos sind keine Dokumentationen über Hundekämpfe, sondern Filme, die nur brutalste Hundekämpfe zeigen. Denken Sie an sogenannte „Snuff“ Filme, in denen werden Tötungen von Menschen gezeigt, keine Dokumentationen, sondern reine Aneinanderreihungen von Hinrichtungen, Tötungsdelikten….vielleicht erinnern Sie sich noch an die 80er Jahre, damals wurden die Filme „Gesichter des Todes“ auf den Index gesetzt. Um solche Filme dreht es sich, nur diesmal mit Hunden. Also dahinter ist kein journalistischer Anspruch zu finden.
    Vielleicht bin ich „zu deutsch“, das kann gut sein. Aber das heisst noch lange nicht, dass ich alles gut finden muss, was in diesem Land (den USA) getan wird und durchgeht. Für mich haben Videos, die blutige Hundekämpfe bis zum Tod zeigen, und das aus reinen perversen „Unterhaltungsgründen“ nichts mit der Meinungsfreiheit zu tun.

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