Besuch in San Quentin

Heute morgen war ich mal wieder in San Quentin. Dort sitzt seit nunmehr 32 Jahren Reno und wartet auf seine Hinrichtung. Mittlerweile kann er nur noch unter Schmerzen laufen, er sitzt im Rollstuhl. So langsam baut der Körper ab, es ist wohl nun ein Wettrennen zwischen dem Staat Kalifornien und Mutter Natur, wer am Ende schneller ist.

sanquentinEs ist immer wieder ein seltsames Erlebnis das Staatsgefängnis in San Quentin zu besuchen. Anrufen, Termin ausmachen, Kleiderordnung einhalten, Eindollarscheine einstecken und dann in einer Schlange aus zumeist Frauen bis zum Einlass warten. Einige trifft man immer wieder, sie erzählen und unterhalten sich, man ist ganz Ohr. Nach der Kontrolle am Eingang dann durch den Metalldetektor, der so fein eingestellt ist, der piept sogar bei einer Nadel in der Hosentasche….nicht, dass ich eine einstecken hatte.

Danach läuft man vom Eingangstor entlang der Bay zum Gefängnistrakt. Rechts der wunderschöne Ausblick auf Tiburon, Treasure Island, im Hintergrund die Bay Bridge, die Oakland mit San Francisco verbindet. Und vor einem, hinter dem mittelalterlich wirkenden Gefängnisgebäude, ragt Mount Tamalpais empor. Da oben haben die Naturfreunde ein Haus. Vom Gefängnistor bis zum eigentlichen Trakt sind es rund 200 Meter. Bei Sonnenschein, wie heute Morgen, geniesst man diesen Spaziergang. Bei Regen wird er endlos. Rennen darf man nämlich nicht auf dem Gefängnisgelände. An dem alten Ziegelsteingebäude angelangt muß man erneut durch eine Sicherheitsschleuse. Dann schnurstraks zu den Automaten, Burger, Popcorn und Soda gezogen, rüber zur Mikrowelle und dann zu den kleinen Gitterzellen. Dort wird man mit dem Häftling eingesperrt.

Da sitzt man dann, tauscht sich aus, redet über dies und das. Hin und wieder schaut man sich um, aber eigentlich nimmt niemand die Umgebung wahr. Auch die Themen Todesstrafe, Hinrichtung oder Eingesperrtsein kommen so gut wie gar nicht zur Sprache. Die Zeit fliegt dahin, dann ist es schon wieder rum. Mit Handschellen wird er weggerollt, ich warte noch, bis er durchsucht wurde, ob er auch nichts zurück in seine Zelle schmuggelt, was ein Besucher eventuell mit ins Gefängnis gebracht haben könnte. Wenn die Freigabe gegeben ist, bekommt man seinen Ausweis zurück, die zwei Stahltüren öffnen sich und man tritt nach draussen. Die Bay vor einem atmet man tief durch. Zurück zum Eingangstor, die Hölle San Quentin hinter einem. Reno ist da schon zurück in seiner 1,30 Meter x 2,20 Meter „grossen“ Zelle, sein Haus, wie er es nennt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Um zu überprüfen, dass Sie eine reale Person und kein Spam-Roboter sind, lösen Sie bitte vor dem EINTRAGEN die nachfolgende kleine Rechenaufgabe, das sogenannte CAPTCHA *