Reiselust der Parlamentarier

Gerade lese ich auf nz-online über die Reiselust der deutschen Parlamentarier. Und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass in diesem Artikel ganz bewußt unterstellt wird, die Trips der Abgeordneten seien vor allem Spass- und Lustreisen. Als jemand, der im Ausland lebt und hier in San Francisco sehr viel mit deutschen Abgeordneten zu tun hat, kann ich dem nur widersprechen.

Klar, es gibt Reisegruppen von Bundestags- und Landtagsmitgliedern, da fragt man sich schon, warum die eigentlich hier an die amerikanische Westküste gekommen sind. Der Einkaufstrip einiger Parlamentarier schlug Ende 2008 hohe Wellen. Doch ehrlicherweise muß man erklären, dass der Großteil der Delegationen und Reisen mehr als sinnvoll sind. Vor Ort bekommt man ein besseres Gefühl und einen Eindruck von dem, was Amerika ist.

Hier in San Francisco geht es um High Tech und Social Networks, um BioTech und Startup Companies, um Solarenergie und Zukunftsprojekte. Nordkalifornien ist nach wie vor eine Region, die Menschen aus aller Welt anzieht, hier werden Weichen gestellt. Mit Stanford, UC Berkeley, UCSF, UC Davis sind gleich vier Eliteschmieden in der unmittelbaren Gegend San Franciscos. Und das muss man sehen, man muss sich einen Eindruck darüber machen, wie das Zusammenspiel von Unis und Wirtschaft läuft, wie die gesamte Atmosphäre der Umgebung in diesen Austausch mit hinein spielt.

Es gibt einen Grund, warum der Freistaat Bayern seit Jahren hier mit einem eigenen Büro vor Ort ist. Viele der Firmenansiedlungen im Freistaat, auch in Nürnberg und dem Großraum gehen darauf zurück. Viele bayerische Minister kamen bereits nach San Francisco und ins Silicon Valley zum Klinkenputzen.

rotary_ojaiUnd genauso ist es meistens mit den Bundestagsabgeordneten. Durch meine langjährige journalistische Arbeit in Nordkalifornien und meine enge Zusammenarbeit mit MdB Dagmar Freitag habe ich einen Einblick bekommen. Die Reisen sind eng gefaßt, Termine stehen direkt nach der Landung und dem Langstreckenflug an. Dagmar Freitag ist regelmäßig für die Austauschprogramme des Bundestages in den USA. In den verschiedenen Regionen des Landes werden Bewerber für die Programme interviewt. Am Rande dieser offiziellen Reisen konnten auch die Schulpartnerschaften Hemer – Ojai und Letmathe – Indianapolis aufgebaut werden. Auf Eigeninitiative von Frau Freitag. Das alles wäre ohne die persönlichen Besuche der Abgeordneten an den Schulen gar nicht möglich gewesen. Viele Parlamentarier stehen darüberhinaus für Interviews, Gespräche und Vorträge zur Verfügung. In meiner „syndicated“ Radioshow hatte ich schon viele deutsche Politiker zu Gast, die den deutschen Standpunkt, die deutsche Sichtweise, die deutsche Haltung in bestimmten politischen Entscheidungen und Situationen erklärten.

Auf meinen eigenen Reisen nach Afghanistan und Ruanda wurde mir erneut bewußt, wie wichtig der persönliche Einblick ist. Auch Politiker brauchen diese Eindrücke, müssen selber sehen, was vor Ort passiert, um Entscheidungen treffen zu können, verantwortungsbewußt treffen zu können.

Von Reiselust kann also nicht immer die Rede sein. Man sollte nicht pauschal erklären, Abgeordnete reisen zu viel. Ein Großteil der Trips sind absolut notwendig, um Eindrücke zu gewinnen und Kontakte aufzubauen und zu vertiefen.

0 Kommentare in “Reiselust der Parlamentarier

  1. War nicht anders zu erwarten. Wer aus dem Dunstkreis des Goethe-Institut kommend Teil des Systems der Politik ist, der findet das System natürlich logisch und selbstverständlich notwendig. Wie halt auch die Politiker selbst. Peltner hat sich mit dem Beitrag mindestens für einen gutbezahlten stellvertretenden Ministeriumssprecherjob in Berlin qualifiziert. Unabhängiger Journalismus geht aber anders.

  2. Tja, da sollten Sie aber mal genauer recherchieren, ich komme nicht aus dem Dunstkreis des Goethe-Instituts und bin auch nicht Teil des Politiksystems. Meine Arbeit fuer Radio Goethe finanziere ich alleine, so auch meine Reisen nach Afghanistan und Ruanda.
    Aber ist mal wieder schoen zu wissen, wie jemand urteilt, der leider keinen Einblick in die Praxis hat….und glauben Sie mir mal, ich moechte weder einen Ministeriumsposten noch im politischen System eingebunden sein. Ich liebe meine Unabhaengigkeit, wenn Sie mich kennen wuerden, dann wuessten Sie, dass ich die Themen aufgreife, dich ich fuer wichtig halte, dass ich mich da engagiere, wo ich Sinn drin sehe….

  3. Zitat Wikipediaartikel „Radio Goethe“

    „Unterstützung:

    Radio Goethe wird vom deutschen Generalkonsulat und vom Goethe-Institut unterstützt. Für herausragende kulturelle Arbeit im Ausland wurde Arndt Peltner 2004 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.“

    Kein Dunstkreis des Goethe-Instituts? Unabhängigkeit? Nicht Teil des Politsystem? BVK 1 für Tapferkeit an der Politkulturfront? Das Projekt wird allein finanziert?

    Aber vielleicht ist der Wiki-Artikel ja nur Müll.

  4. Ich arbeite mit dem deutschen Generalkonsulat und dem Goethe-Institut thematisch zusammen, heisst, wenn ich interessante Gesprächspartner oder Themen sehe, dann werden die auch in der Sendung behandelt. Ausserdem bin ich hin und wieder mit Vertretern des Generalkonsulats an Universitaeten unterwegs, um ueber die Geschichte der deutschen Musikszene zu berichten. Stimmt, diese Form der Zusammenarbeit scheint suspekt zu sein!

    Das Bundesverdienstkreuz habe ich für meine ehrenamtliche Arbeit mit Radio Goethe erhalten. Seit 1996 versuche ich mit deutscher Musik kulturuelle Brücken zu bauen. Wenn Sie eine Auszeichnung als „Tapferkeit an der Politkulturfront“ herunterspielen, ist das ihr gutes Recht, zeigt jedoch auch, dass Sie sich nicht mit dem Projekt als solches befasst haben und schon gar nichts ueber Kulturarbeit im Ausland wissen. Die Sendung fing auf KUSF San Francisco an und ist nun auf über 40 Stationen in zahlreichen Ländern zu hoeren, darunter USA, Kanada, Australien, Polen, Daenemark, Schweiz…

    Und ich muss ja wohl am besten wissen, ob ich fuer die Sendung Gelder erhalte….sicherlich auch hier koennen Sie gerne etwas behaupten, doch entspricht es nicht der Tatsache. Ich arbeite als freier Korrespondent fuer verschiedene Radiosender und Zeitungen und produziere eine Sendung fuer das Lufthansa Inflight Audio Programm…Radio Goethe ist mein Projekt, das ich aus eigener Tasche finanziere. Glauben Sie es oder auch nicht. Die Entscheidungen, was ich hier produziere liegt ganz allein bei mir.
    Aber Sie scheinen sehr vorgefertigte Meinungen zu haben und sich bestens mit Politikern, Kulturprojekten in Uebersee und auch allgemein auszukennen. Es gibt auch gute, nette, engagierte Politiker….aber das brauche ich Ihnen ja nicht zu sagen.

  5. Nachdem ich diesen Artikel gelesen hatte, ist mir bewußt geworden, wei stark meine Vorurteile gegenüber Politikern (und ihren Auslandsreisen) sind. Vielen Dank, Herr Peltner, für den Blick aus der anderen Richtung, der mich zum Nachdenken gebracht hat.
    Mit Grüßen,

    Die Lori

  6. Lieber Herr Peltner,

    wie oder durch wen Sie ihre Aktivitäten finanzieren oder auch nur „Unterstützung“ erhalten ist mir letztlich egal. Wirklich nachprüfen kann ich eh nichts. Warum Sie aber hier erstmal bestreiten, dass Sie sich im Umfeld des Goethe-Instituts bzw. deutscher Außlandsvertretungen bewegen ist schon merkwürdig, vor allem wenn dies durch einen simplen Blick ins Wikipedia herauszufinden ist. Ihre allzu dienstfertige Eloge auf die Reisetätigkeit deutscher Politiker, vor allem aus der zweiten bis fünften Reihe, kann ich deshalb nur aus einer Art Betriebs- bzw. Systemblindheit heraus verstehen.

    Persönlich halte ich die Praxis von Ordensverleihungen allgemein für ein großes Kasperlestheater und entsprechend für lachhaft. Deshalb rutschen mir schon mal ein paar sarkastische Bemerkungen darüber raus. Sollte ich hier Sie aber damit verletzt haben, tut mir das leid.

  7. Also ich fand das „Kasperletheater“ eine schoene Anerkennung meiner Arbeit, gerade weil damit auch deutlich gemacht wurde, dass deutsche Kultur eben nicht nur sogenannte „Hochkultur“ ist, sondern auch Kraftwerk, Megaherz, Fiddler’s Green uvm. ist.
    Uebrigens, den Wikipedia Beitrag habe ich weder geschrieben noch in Auftrag gegeben. Ich war selber ueberrascht, als ich ihn mal fand.
    Sie haben aber wirklich keine gute Meinung über Politiker. Sehr schade, dass Sie sich nicht mal die Arbeit von jenen genauer ansehen, die ihren Job und ihren Wahlauftrag sehr gut machen. Ich sage ja nicht, dass alle Politiker gut sind und alle Reisen notwendig, aber man sollte schon differenzieren….und das machen Sie leider ueberhaupt nicht.

  8. Ich habe hier lediglich die journalistische Qualität des Beitrags kommentiert, sonst nichts. Und eine, bis jetzt nicht widerlegte, Vermutung ausgesprochen, warum er so ausgefallen ist, wie er ist.

  9. Sie kommentieren, indem Sie mich diskreditieren, und das mit Unterstellungen und Falschaussagen. Und nicht nur das, Sie lesen auch die Beitraege nicht richtig, denn ich habe Ihnen dort ganz bestimmte Beispiele genannt, warum Reisen von Politikern wichtig sind. Ihr Totschlagargument ist „Peltner sitzt im Dunstkreis des Politsystems und des Goethe-Instituts“. Auch wenn Sie das ueberhaupt nicht belegen koennen, aber einfach mal in den Raum werfen, das ist schon gut…Richtigstellungen was „Unterstuetzung“ konkret heisst, lassen Sie ja gar nicht gelten.
    Ich stehe nach wie vor dazu, dass der Grossteil der Reisen deutscher Politiker wichtig und sinnvoll ist. Das habe ich hier in Kalifornien gesehen, dass habe ich in Ruanda gesehen, und das habe ich auch in Afghanistan gesehen. Hier geht es um Wirtschaft und um Zukunftstechnologien, dort um Entwicklungshilfe und die Einsatzbedingungen deutscher Soldaten.
    Natuerlich koennen Sie auch all das vom Tisch wischen und erklaeren, wer mit kalifornischen Unis, Technikzentren und Firmen zu tun haben will, kann ja auch einen netten Brief schicken. Ruanda und andere Dritte Welt Laender braucht man nicht zu besuchen, wir wissen ja, wie aussichtslos die Lage dort ist. Und auch die Situation des Einsatzes fuer die Soldaten in Afghanistan muß kein deutscher Politiker direkt sehen.
    Ich wuerde von Ihnen schon mal gerne wissen, welche Reisen deutscher Politiker Sie eigentlich fuer richtig halten? Ihre Art scheint zu sein, einfach mal draufzukloppen, bei Politikern trifft man immer den oder die richtige. Das ist jedoch schon etwas simpel. Es gibt viele Politiker, die ihren Job sehr ernst nehmen und sich fuer ihre Waehler und ihren Bezirk einsetzen. Im Gegensatz zu Ihnen habe ich hier Politiker aller Parteien von SPD, CDU, CSU FDP und Gruenen und aus den verschiedensten Regionen kennengelernt, die ausserordentliche Arbeit leisten. Oder ist auch das nur wieder meine politisch beschlagene Brille im Dunstkreis…

  10. Aber Herr Peltner, ich gebe doch nur an, was Sie selbst im Impressum Ihrer Internetseite radiogoethe.org präsentieren:

    „Unterstützer / Support:
    Deutsches Generalkonsulat San Francisco & Goethe-Institut

    Das Projekt wurde durch das Transatlantik-Programm der Bundesrepublik Deutschland aus Mitteln des European Recovery Program (ERP) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) gefördert. “

    Weiterhin präsentieren Sie hier das Logo der Bundesregierung als Unterstützer.

    Und die von Ihnen so hervorgehobene und gelobte SPD-MdB Freitag sitzt im Bundestag im auswärtigem Ausschuss mit Spezialgebiet „Auswärtige Kulturpolitik“, sprich: Goethe-Institute.

    Sie wollen weiter bestreiten, dass Sie sich im Umfeld der staatlichen deutschen Auslandskulturpolitik der Goethe-Institute bzw. des Transatlantik-Programs bewegen? Von mir aus.

  11. Wenn es doch so einfach wäre, lieber Herr Albig…die Welt, in diesem Fall das politische Berlin ist leider nicht so schön schwarz-weiß gestrichen, wie Sie es hier präsentieren oder sehen oder kommentieren. Um das ganze jetzt mal hier abzuschliessen, da Sie mir ja keine Antwort auf meine Frage geben, welche Reisen von Politikern Sie fuer angemessen halten und der eigentliche Beitrag ja über die Reisen von Politikern ging, die ich größtenteils (!) für richtig und sinnvoll halte.
    Ich wäre froh und dankbar, wenn meine Arbeit mit Radio Goethe finanziell unterstützt werden würde. Falls Sie also ein paar Euro übrig haben, können Sie gerne dem Radio Goethe e.V. mit Sitz in Nürnberg eine Überweisung zukommen lassen. Natürlich gegen Spendenquittung, es muß ja alles seine Ordnung haben.

  12. Verrückt, Herr „Wolferl“.

    Ich darf mich kurz vorstellen: ich bin Journalistin, habe bei Arndt Peltner sehr viel gelernt – und vor allem eines:

    Kritisch nachfragen, unabhängig berichten und eben genau die Themen aufgreifen, die anderen nicht „massenkompatibel“ genug erscheinen.
    Von daher kann ich nur sagen, dass Befangenheit bei ganz anderen Kollegen zu suchen (und vielleicht zu finden) ist.

    Nur weil die Bundesregierung ein Projekt wie dieses unterstützt, bedeutet das nicht zwangsläufig eine „Hörigkeit“ – so etwas ist Typfrage. Sie sollten sich nicht an einem Artikel, der nicht Ihre eigene Meinung widerspiegelt (was ich grundsätzlich nachvollziehen kann), hochziehen.

    Und weil Sie es so oft als Quelle genannt haben:
    Wikipedia bietet keine verlässlichen Informationen, da jeder – wirklich jeder – in einem solchen Artikel herumschreiben kann.

    Bitte setzen Sie sich weiter mit Arndt Peltners Arbeit auseinander, dann werden Sie sehen, dass Sie Unrecht hatten.

    Freundlicher Gruß!
    Janine

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