Wahlparty in Ruanda

„5 Uhr! Die spinnen die Ruandesen“….Lautstark begann der Wahltag in Ruanda. An den aufgebauten Wahlzelten direkt gegenüber drehten die Organisatoren die Lautsprecher auf. Afrikanische Klänge bis zum Anschlag. Aber keine Buschtrommeln, hier nervte nur kratziges Popgeschrammel meinen Schlaf. 5 Uhr!!!

Kigali ist an diesem Montag eine ruhige Metropole. Fast alle Geschäfte sind geschlossen, der Verkehr fast nicht existent. In Festtagskleidung ziehen die Menschen zu den Wahllokalen. Hier gegenüber sind es Zelte. Polizei und bewaffnetes Militär ist präsent, aber alles ist ruhig. Sowieso hat die Zurschaustellung von Sicherheitskräften nachgelassen.

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Der Wahlkampf war offiziell am Samstagabend vorbei. Die riesigen Plakate von Präsident Paul Kagame sind schon aus dem Straßenbild verschwunden, so als ob der Gewinner schon feststeht. Beobachter gehen davon aus, dass Kagame weit vor seinen drei Herausforderern liegt. Ob er wieder wie vor sieben Jahren die 95,5 Prozent der Wählerstimmen erreicht ist fraglich. Aber alles unterhalb von 80 – 85 Prozent wäre eine Überraschung. Von Nervenkitzel kann bei dieser Wahl also nicht gesprochen werden.

Die großen Tageszeitungen des Landes waren sowieso auf die FPR und ihren Kandidaten Kagame eingestimmt (worden). Seitenlang berichteten sie tagtäglich über den Präsidenten, seine Geschichte, seine politischen Leistungen, seine Ideen und Visionen. Untermalt wurde dies immer mit „Stimmen des Volkes“…FPR Unterstützer, die Paul Kagame als „Helden“, als „wahren afrikanischen Führer“, als „Gott gesandten“ beschrieben.

Der heutige Wahltag ist für Ruanda und die Region richtungsweisend. Paul Kagame wird erneut für sieben Jahre gewählt. Das gibt ihm das Mandat seinen Plan „2020“ voran zu bringen. Unterstützt wird Ruanda mit internationalen Geldern. China, die USA und die europäischen Staaten investieren massiv in das Land. Kagame wird das Ruanda weiter vorantreiben und zu einem „Powerhouse“ in Ost- und Zentralafrika ausbauen. Wahltag in Ruanda

Die Musik ballert noch bis zum Nachmittag aus den Lautsprechern. An über 15.000 Wahlstellen im Land geben die rund fünf Millionen wahlberechtigten Ruander heute ihre Stimme ab. Von Zwischenfällen ist bislang nichts zu vermelden. Es herrscht eher Volksfeststimmung auf den Straßen. Der Wahlkampf ist vorbei, der jedoch erinnerte eher an ein Schaulaufen des Kandidaten Paul Kagame. Von einer ausgeglichenen und fairen Wahl kann dabei wohl nicht gesprochen werden. Und doch, 16 Jahre nach dem Genozid mit 800.000 Toten ist das Land sehr weit gekommen…unter der Führung von Paul Kagame.

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