„Tora, Tora Kagame“

Das Stadion war hell erleuchtet. Weit über 50.000 Menschen drängten sich zuerst auf die Ränge und dann auch in das Innere des Stadionrunds. Mehr als 90 Prozent davon männlich und der Großteil unter 25 Jahren alt. Kigali feierte am Montagabend den Wahlsieg der Regierungspartei FPR mit ihrem Kandidaten Präsident Paul Kagame. Erste Hochrechnungen lagen bei 92,9 Prozent der Stimmen für den Amtsinhaber. Ein sattes, aber mehr als zu erwartendes Ergebnis für Kagame.Wahlparty im Stadion von Kigali

Im Stadion herrschte Partystimmung. Auf einer aufgebauten Bühne scratchte ein Rapper vor sich hin, Sänger und Sängerinnen wechselten sich mit hippigen Parteiliedern ab, um die Menschenmenge in Stimmung zu bringen und zu halten. Die tanzten ausgelassen und sangen mit. Auf den ersten Blick hätte es sich auch um ein Hip Hop Konzert handeln können. Nur die vielen T-Shirts mit dem Bild von Präsident Paul Kagame und immer wieder der lauthals herausgebrüllte Refrain „Tora, Tora Kagame“, „Wählt, wählt Kagame“, machte deutlich, dass es sich hier um eine Veranstaltung der siegreichen Regierungspartei handelte.

Der Sieger kam denn auch endlich um halb eins in der Nacht in gelber Hose, blauem Blouson und Baseballmütze. Doch wer nun erwartete, dass Kagame eine Siegesrede halten würde, weit gefehlt. Er tänzelte strahlend auf einer extra Bühne vor der Ehrentribüne herum, lüpfte hin und wieder sein Cappy und winkte der Menge zu, die jubelnd antwortete. Die Musik lief weiter, zum zigten Male wurden die Kampflieder der FPR gesungen: „Tora, Tora Kagame“. Erst um drei Uhr morgens dankte Paul Kagame seinen Unterstützern und erklärte den Sieg, als einen Sieg für die Entwicklung Ruandas. Um halb fünf am Morgen dann ein Feuerwerk auf den Gewinner. Man weiß, wie man feiert in Kigali.

Die Tanz- und Gesangveranstaltung im Stadion zeigte die Stärke der FPR und des Präsidenten Paul Kagame. Die Jugend steht hinter ihm. Doch gleichzeitig ist dies auch eine große Gefahr, denn diese jungen Menschen wollen Teil haben an den Versprechungen Kagames und der Zukunft des überbevölkerten Landes. Der Präsident redet vom Wirtschaftsboom, vom Aufbau einer funktionierenden Infrastruktur, von der Einheit des Landes. Und tatsächlich ist Ruanda ein sicheres Land, überall wird gebuddelt und gebaut. Entlang der Strasse nach Kibuye im Westen des Landes graben Hunderte von jungen Arbeitern einen Graben, in dem neue Kabel verlegt werden. Die Hauptstraßen in der Hauptstadt Kigali bekommen gerade eine neue Asphaltdecke und gleich zwei fünf Sterne Hotels werden hochgezogen. Ein neuer Flughafen ist in Planung, Ruanda ist auf der Überholspur in die Zukunft.

Paul Kagame hat den Weg vorgegeben. Die internationale Unterstützung aus den USA, China und Europa ist ihm sicher. Die Wahlen haben gezeigt, dass der Präsident Ruanda fest im Griff hat. Die nächsten sieben Jahre werden nun entscheiden, welchen Weg Kagame gehen wird. Schafft er es, Ruanda als leuchtendes Beispiel auf dem afrikanischen Kontinent voran zu bringen, das Land zu demokratisieren und die Region zu befrieden? Oder entwickelt sich Paul Kagame auch zu einem „big African man“, wie es sie so viele in Afrika gab und gibt?

Die Kritik an Kagame kommt vor allem von außen. Von der New York Times bis zur taz wird der Präsident kritisiert. Vom Polizeistaat, von der eingeschränkten Pressefreiheit und der Unterdrückung der Opposition ist die Rede. Das alles hat die Zehntausende von jungen Menschen im Stadion von Kigali in der Wahlnacht nicht interessiert. Für sie ist Paul Kagame der Mann, der ihnen Wohlstand und eine sichere Zukunft bringen wird…“Tora, Tora Kagame“.

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