„I love this town“

“Ich liebe diese Stadt”. Diesen Satz hört man von jeder und jedem mit der und dem man spricht. Nicht nur von den Menschen in Ciuadad Juarez, sondern auch von jenen, die schon lange auf der anderen Seite in El Paso leben. Die beiden Städte gehören zusammen, auch wenn eine schwer bewachte Grenze sie trennt. Zuviele Verbindungen existieren und werden erhalten und gepflegt.

Heute traf ich eine Professorin der “University of Texas El Paso”. Eine sehr interessante Frau, deren Eltern in Juarez leben. Sie selber wuchs dort auf. Und nun pendelt sie wöchentlich mehrmals hin und her, wie viele Menschen hier und dort. Mit ihr fuhr ich über die Grenze zu meinem nächsten Interviewtermin. Auf dem Weg durch Juarez, vorbei an Dutzenden von zugenagelten Laden- und Restaurantfronten erzählte sie von früher, von den Ausgehmöglichkeiten und den Tanzabenden. Und heute ist nichts mehr so wie es noch vor ein paar Jahren war. Juarez verfällt im Zentrum.

Und dann in den folgenden Interviews ging es um den Ausweg aus dieser Krise. Was der Bürgermeister gestern im Gespräch noch mit einem überheblichen Lachen anzweifelte wurde offen ausgesprochen. Juarez ist eine Stadt am Rande des Abgrunds. Doch es gibt Ansätze, Bemühungen, Versuche die Situation unter Kontrolle zu bekommen. Sie klingen vielversprechend, auch wenn die Statistiken derzeit noch ein sehr niederschmetterndes Bild zeigen. Die Mordrate ist nach wie vor hoch. Kidnapping, Erpressung und Vergewaltigung gehören zur Tagesordnung. Drogen- und Waffenhandel, Prostitution und Beschaffungskriminalität sind Teil des Alltags in Juarez.

Man kann nur hoffen, dass die Stadt die Kurve kriegt. Denn “ich liebe diese Stadt” höre ich sicherlich noch öfters in den nächsten Tagen.

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