War da was?

Der Bischof von Ciudad Juarez ist ein Kumpel vom Bürgermeister. Kein Wunder also, dass der auch im Interview erklärt, alles sei eigentlich in Ordnung. Und die paar Probleme, die es doch gibt, daran seien die Amerikaner, die “Maquiladoras” (Montagebetriebe) und die verschwindenen Familienwerte verantwortlich. Auch ein Weg als Bischof über 3111 tote Mitbrüder und Mitschwestern im vergangenen Jahr zu urteilen…Nein, das ist echt kein Problem! Die inoffzielle Mordrate liegt sogar bei 3900.

Heute morgen hatte ich auch noch ein Interview mit Kathleen Staudt von der “University of Texas El Paso”. Sie steht den Versuchen der mexikanischen Regierung unter dem Titel “Wir sind alle Juarez” sehr kritisch gegenüber, mit denen das Gewaltproblem in der Stadt unter Kontrolle gebracht werden soll. Eigentlich müßte man auch auf US Seite so einiges ändern, meinte sie. Wenn man sich die Statistiken ansieht, dann werde klar, dass 99 Prozent der Drogen, die jedes Jahr an der Grenze mit viel Aufwand und Geld beschlagnahmt werden, Marihuana ist. Eine Droge also, die bereits in 16 US Bundesstaaten als “medical treatment” eingesetzt wird, heißt, mit einem Rezept vom Arzt kann man ganz legal Marihuana kaufen. Staudt betont, dass sie nicht für die Legalisierung von Drogen ist, allerdings mache es Sinn in diesem Fall ganz neue Wege zu gehen und diese Substanz in den legalen Rahmen mit Kontrolle und Steuereinnahmen zu bringen.

Am Nachmittag ging es dann zu “Casa Amiga”, einer Einrichtung für Frauen in einem der gefährlichsten Distrikte von Juarez. Vorbei an Dutzenden von “Maquiladoras”, darunter “Motorola”, “Honeywell” und auch…“Siemens”. Dabei dachte ich wieder an die Worte von Kathleen Staudt am Morgen, die erklärte, die internationalen Firmen, die in Juarez produzieren lassen, müssen in die Verantwortung genommen werden, um die Sicherheit ihrer Mitarbeiterinnen zu garantieren und ihnen mehr als nur ein paar Dollar Lohn pro Tag auszuzahlen.

“Casa Amiga” hilft mißhandelten und mißbrauchten Frauen, Schulungen werden zu den verschiedensten Themen angeboten, man begleitet betroffene Frauen in Krankenhäuser und zu Behörden, um die Fälle aktenkundig zu machen und man versucht immer wieder auf die schwierige Situation von Frauen in Juarez hinzuweisen. Mit viel Einsatz kämpft man gegen die Windmühlen an, die da Staat, Stadt, Polizei, Verständnis, Machismo, Banden heißen. Man kann die Mitarbeiter hier nur bewundern, die seit Jahren mit den schlimmsten Fällen und Geschichten umgehen müssen. Doch so lange es noch solche Menschen gibt, hat Juarez eine Chance, denn sie arbeiten für eine bessere Zukunft.

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