Aus der Angst zurück

Schon über 600 Morde in diesem Jahr, allein 183 im Monat März. Zahlen, Statistiken, die einfach nur noch hingenommen werden. Ciudad Juarez ist die gefährlichste Stadt der Welt, und das wird sie auch noch weiterhin bleiben. Nicht nur, dass die Mordrate hoch ist, die Gewalt gehört einfach zum Alltag dazu. Das schlimme in Juarez ist, dass eine Art Gesetzeslosigkeit herrscht. Die Polizei ermittelt kaum, man bekommt das Gefühl, dass hier mit Absicht die Dinge den Bach runtergehen sollen. Die Uniformierten zeigen Präsenz, martialisch und schwer bewaffnet kontrollieren sie die Straßen und dennoch fühlen sich die Menschen in Juarez nicht sicher. Seit über drei Jahren nun herrscht dieser brutale Drogenkrieg.

Zurück in Oakland. Die Sonne scheint und draußen trillern die Vögel. Alles wirkt und ist friedlich und ruhig. Ein krasser Gegensatz zu Ciudad Juarez und dem dort erlebten. Die Grenzstadt zu El Paso ist eine andere Welt. Man kommt über die Santa Fe Brücke und fühlt sich sofort etwas beklommen und beobachtet. Die Gefahr ist da, das weiß man. Wie es heißt, wohnen sogar der Bürgermeister und die Drogenkartellbosse (!) auf der anderen Seite der Grenze in El Paso, denn dort ist es sicherer, auch für sie.

Die Menschen in Juarez haben sich mit der Gewalt, der Angst, der Gefahr arrangiert. Abends wird die Stadt zur Geisterstadt, auch wenn der Bürgermeister im NZ-Interview tönt, alles sei sicher, man brauche sich keine Sorgen zu machen. Fast alle, mit denen ich gesprochen habe, gehen abends kaum noch aus, meiden bestimmte Gebiete, warnen davor, nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr alleine unterwegs zu sein und lieber rüber nach El Paso zu gehen. Und sogar die amerikanischen Grenzbeamten schauen einen fragend an, wenn man sagt, man war in Juarez, um über die Frauenmorde zu berichten. „It’s dangerous over there, be careful“. „Yes, I am“.

 

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