Bankrott für Todestrakt

Kalifornien steckt in den Miesen. Nicht nur knietief, sondern die Schulden stehen dem Sonnenstaat an der Pazifikküste bis zum Hals. Im November wurde ein neuer/alter Gouverneur gewählt. Jerry Brown, Demokrat und seit Urzeiten in der kalifornischen Politik verankert, streicht nun alles, dreht jeden Cent dreimal um, kennt keine Gnade vor Lieblingsprojekten, sogenannten „pet projects“ der Politikerkollegen.

Und nun wird auch ein Riesenprojekt zu Grabe getragen, wobei diese Wortwahl in dem Fall wohl eher unpassend ist. Der geplante Neubau des kalifornischen Todestrakts in San Quentin, der bis zu 1152 Death Row Insassen beherbergen sollte, ist vom Tisch. In einer Zeit, so Gouverneur Jerry Brown, in der Schulen und Universitäten mit riesigen Haushaltslöchern zu kämpfen haben, in der soziale Dienste für Kranke, Senioren, Behinderte gestrichen werden, in der die Infrastruktur Kaliforniens immer brüchiger wird, dürfe man keine 125 Millionen Dollar für die schlimmsten Verbrecher ausgeben.

Doch damit ist das Problem in San Quentin nicht gelöst. Der bestehende Todestrakt ist für 150 Insassen ausgelegt, derzeit warten dort fast 700 Männer auf ihre Hinrichtung. Und auch der Rest von San Quentin platzt aus allen Nähten. Der jetzige Bau für die Todeskandiaten wurde 1927 fertig gestellt. Politiker beider Parteien, Gewerkschaften und Organisationen der Gefängniswärter unterstützen Brown in seiner Entscheidung. Allerdings warnen sie auch davor, dass der Zustand in San Quentin nicht weiter tragbar sei. Die gegenwärtige Situation sei für das Personal und die Häftlinge nicht länger sicher.

Etliche Politiker und Opferverbände haben sich auch sofort mit einem Lösungsvorschlag zu Wort gemeldet. San Quentin sei kein „Renterheim“, von daher solle man endlich die Todesstrafe anwenden und nicht darauf warten, dass die Häftlinge an Altersschwäche sterben.

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