Mit den Schweizern läßt sich reden

Vor kurzem flog ich über den Flughafen Zürich zurück in die USA. Hinter mir lag schon ein Nachtflug aus Afrika, der verspätet in Brüssel ankam. Daraufhin verpasste ich meinen Anschlussflug nach Frankfurt und mußte Stunden später über Zürich nach San Francisco fliegen. Da kam mir die Sicherheitskontrollbeamtin gerade recht, die mein Handgepäck nochmal durchleuchten wollte, weil sie bei all den Kabeln und Batterien und Aufnahmeequipment kein klares Bild auf den Bildschirm bekam. Das ist ja ok, allerdings nahm ihre Kollegin meine Tasche, schüttelte sie mehrmals kräftig durch und legte sie dann aufs Laufband. Mein zuerst etwas verdutzter Blick, dann meine Frage, was sie da mache und schließlich meine Aufforderung, dass sie das gefälligst lassen solle, erwiderte sie nur mit der Feststellung „das ist  Standardpraktik hier in Zürich“. Der herbeigerufene Vorgesetzte meinte denn auch, so – also mit kräftigem Durchschütteln – gehe man in Zürich am Flughafen mit Handgepäck um.

Ich war im Moment etwas sprachlos, nach elf langen Flugstunden schrieb ich allerdings nach meiner Rückkehr einen Brief an die Flughafenpolizei. Und heute kam prompt die Antwort:

 

Flughafenpolizei Kontrollabteilung

Sehr geehrter Herr Peltner

Wir beziehen uns auf Ihren Brief vom 9. Juni an die Flughafenpolizei Zürich.

Die Sicherheitskontrollen für alle Passagiere und deren Gepäck werden von Sicherheitsbeauftragten (SBF) der Flughafenpolizei Zürich durchgeführt. Sie richten sich bei der Ausführung ihres Auftrags nach den Vorschriften des Schweizerischen Bundesamtes für Zivilluftfahrt(BAZL).

In Ihrem Schreiben beschweren Sie sich über die Sicherheitskontrolle anlässlich Ihres Fluges nach San Francisco vom 8. Juni 2011. Sie hätten beobachten können, wie Ihre Tasche von einer Mitarbeiterin der Sicherheitskontrolle mehrmals kräftig durchgeschüttelt worden sei um sie danach besser durchleuchten zu können. In der Tasche hätte sich sensible und zerbrechliche Technik befunden. Ihre Kritik über die Behandlung des Gepäckstücks sei nicht ernst genommen worden und man hätte Ihnen zu verstehen gegeben, dass das Schütteln von Gepäck Bestandteil der Kontrollen sei und Sie den Inhalt nach der Kontrolle jederzeit überprüfen könnten. Sie hätten den Mitarbeitenden zu erklären versucht, dass durch unsachgemässe Behandlung der sensiblen Technik entstandene Schäden nicht sofort erkennbar seien. Trotzdem hätte man Ihre Bedenken nicht ernst genommen und abgelehnt. Im Weiteren bemängeln Sie das Verhalten und die Erklärungsversuche der involvierten Mitarbeitenden.

Die Betriebsabläufe an den Sicherheitskontrollstellen folgen einer festgelegten Prozedur, die von allen Mitarbeitenden eingehalten werden muss. Jedes Gepäckstück wird durch die Röntgenanlage geschleust, so oft es für die Überprüfung und Feststellung des Inhalts von Nöten ist. Um den Inhalt zweifelsfrei zu identifizieren, ist ein gutes Röntgenbild nötig. Bei Verdacht auf verbotene oder gefährliche Gegenstände wird eine Tasche nicht automatisch manuell geöffnet, sonder so oft durch die Röntgenanlage geschleust, bis ein einwandfreies Bild den Inhalt zuordnen lässt. Es kann durchaus vorkommen, dass die Lage eines unbekannten und verdächtigen Gegenstandes geändert werden muss, um ein besseres Röntgenbild zu erhalten. Das gewünschte Resultat kann durch vorsichtiges Drücken und Schieben erreicht werden, heftiges Schütteln ist verboten. Zum einen kann es den Inhalt beschädigen, zum anderen kann es unter Umständen bei gefährlichen Inhalten zu einer sicherheitsgefährdenden Situation führen. In Ihrem Fall wäre eine vorgängige Information über den Inhalt der Tasche vorteilhaft gewesen. Im Weiteren ist es gestattet, den Inhalt aus der Tasche zu nehmen und in die bereitgestellten Plastikboxen zu legen. Somit ist eine unkomplizierte Durchleuchtung möglich und Beschädigungen können vermieden werden. Wir bitten Sie daher, bei zukünftigen Handgepäckkontrollen unser Personal auf den Inhalt der Tasche aufmerksam zu machen und falls nötig, die sensiblen Gegenstände herauszunehmen und einzeln auf das Förderband zu legen.

Wir haben den Vorfall intern abklären lassen und die betroffenen Mitarbeitenden zu schriftlichen Stellungnahme aufgefordert. Ein Fehlverhalten seitens der materiellen Sicherheitskontrolle können wir nicht feststellen. Wie bereits erwähnt ist heftiges Schütteln nicht gestattet, vorsichtiges Drücken oder Schieben zur Änderung der Lage aber erlaubt. Wir bedauern, dass Ihre Kritik vor Ort nicht ernstgenommen worden sei. Selbstverständlich dürfen alle Passagiere freundliche und sich professionell aufführende Mitarbeitende der Sicherheitskontrollen voraussetzen. Wir sind uns jedoch bewusst, dass es in Einzelfällen zu unangebrachten Äusserungen oder Verhaltensweisen seitens der Belegschaft kommen kann. In der Folge werden wir mit den beteiligten Mitarbeitenden den Fall nochmals besprechen um wenn nötig, Schritte zur Verbesserung der Situation einleiten.

Wir danken Ihnen für Ihre wertvolle Meldung und hoffen, dass zukünftige Kontakte mit der Sicherheitskontrolle in Zürich Flughafen einen besseren Eindruck über unsere Institution hinterlassen werden.

Freundliche Grüsse

F…  M…

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KANTONSPOLIZEI ZÜRICH
Chef Kontrollabteilung

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