Umuganda in Ruanda

In Afrika blickt man auf Amerika und Europa. Junge Leute laufen in Hip Hop Kluft durch die Gegend, die westliche Kultur, vor allem die Pop-Kultur, ist hier überall anzutreffen. Doch kann man auch von Afrika lernen? Von einem Kontinent, der in den westlichen Medien nur als ein Sammelsurium von Ländern mit Kriegen, Katastrophen und Krankheiten dargestellt wird?

Einmal im Monat ist in Ruanda „Umuganda“, was als „Beitrag“ übersetzt werden kann. Am vierten Samstag im Monat von 8-12 Uhr müssen alle Bürger einen öffentlichen und für die Allgemeinheit wichtigen Beitrag leisten. Vom Strasse fegen bis zu Baumaßnahmen. Wer nicht daran teilnimmt und nicht nachweisen kann, dass er beruflich anderweitig eingespannt ist, zahlt eine Strafe. „Umuganda“ wurde von der Regierung nach dem Genozid von 1994 eingeführt, um die Gesellschaft wieder zusammen zu führen. Nachbarn sollten gemeinsam helfen, das Land und die Gesellschaft erneut aufzubauen.

Heute ist wieder „Umuganda“, in Kigali steht alles still. Die Läden sind bis Mittag geschlossen, es fahren kaum Autos, alles ist ungewöhnlich ruhig für eine Hauptstadt. Vier Stunden lang wird im öffentlichen Interesse gearbeitet. Die Grundidee hinter „Umuganda“ ist gar nicht mal so schlecht. Wäre das vielleicht etwas, was man auch in Deutschland einführen könnte? Einmal im Monat an einem Samstagmorgen trifft sich die Hausgemeinschaft oder die Nachbarn, um Dinge in ihrem eigenen kleinen Umfeld anzugehen? Parks und Grünflächen und Spielplätze zu säubern, Graffiti von den Wänden zu schrubben, kleinere Ausbesserungsarbeiten zu erledigen, hilfsbedürftigen Nachbarn zu helfen… Die Liste der Möglichkeiten ist lang. Wäre das nicht etwas, um eine soziale Gemeinschaft zu fördern und zu stärken? Geschimpft, genölt, beschwert wird gerne in Deutschland, „Umuganda“ wäre eine Idee, das ganze dann in etwas Produktives umzusetzen.

Ich bin mir durchaus bewußt, dass dieser „Beitragsgedanke“ in der deutschen Gesellschaft nie umgesetzt werden wird. Leider. Und dennoch finde ich dieses Gedankenspiel interessant. Ich habe es für mich in Nürnberg umgesetzt, am Wöhrder See, im Burggraben, auf dem Spielplatz in St. Leonhard, gegenüber von St. Bonifaz. Man hilft, man unterstützt, man nimmt Anteil am öffentlichen Leben. Daran ist nichts falsch. Eine regelmäßige und fest angesetzte Nachbarschaftshilfe sehe ich als etwas positives. Und man würde endlich mal all jene kennenlernen, die man tagtäglich auf dem Weg zur Arbeit, im Supermarkt oder beim Spaziergang sieht. Gewinner wären wir dabei alle.

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