999 – vom Punk zum Wahlkampf

999 schrieben Punk Geschichte. Doch die britische Band hat Herman „Herb“ Cain nicht im Sinn, wenn er derzeit im Wahlkampf von seinem 999 Plan spricht. Also nichts mit lautstarker Beschallung der US-Politiker. Er will vielmehr ein neues Steuersystem in den USA begründen. 9 Prozent Einkommensteuer, 9 Prozent Unternehmenssteuer, 9 Prozent Mehrwertsteuer. Das ist es. Simpel, direkt, unkompliziert. Zumindest in den Augen von Herb Cain.

Michelle Bachmann sieht das natürlich anders, sie meinte jüngst, wenn man die 9er umdreht habe man 666, die Zahl Satans, „the devil lies in the detail“, so Bachmann. Also, fort damit, weggewischt. Ist auch klar, kein GOP Kandidat redet derzeit gutes über den anderen.

Doch Herb Cain, am Anfang auf verlorenem Posten, kommt immer besser in Fahrt. In jüngsten Umfragen liegt er sogar in der Spitzenposition aller GOP Anwärter. Seine Ideen und Überzeugungen kommen an der Parteibasis an. Er ist für eine grundsätzliche Steuerreform, für ein striktes Verbot der Abtreibung, auch bei Inzest und Vergewaltigung, er hält den Klimawandel für ein Hirngespinst, die Gesundheitsreform als Todbringer, warnt vor den Gefahren der Scharia im Land und sieht die USA unter Barack Obama am Rande eines sozialistischen Machtwechsels. Cain trommelt, fabuliert und vereinfacht komplizierteste Zusammenhänge, doch „wenn man einfache Konzepte versteht, wird man auch komplexere Konzepte angehen können“, meint er ganz oberlehrerhaft.

Herb Cain, der erfolgreiche Business Manager hat eine Karriere hinter sich, die man als eine amerikanische Traumkarriere bezeichnen kann. Geboren 1945 in Tennessee wuchs er in ärmlichen Verhältnissen im rassengetrennten Süden der USA auf. Doch Cain arbeitete sich nach oben und gilt heute als Retter von Burger King, Godfather’s Pizza und anderen Unternehmen. Daneben war er noch Mitglied und Vorsitzender der „Federal Reserve Bank of Kansas City“, bevor er sich der Politik zuwandte. Cain ist kein Unbekannter, seine „syndicated“ Radioshow und seine Kolumnen werden im ganzen Land gehört und gelesen, als Kommentator ist er Stammgast in diversen Fernsehprogrammen.

Nun also tritt dieser Mann an und wird überall mit Jubelrufen im republikanischen Lager empfangen. Sowohl bei der christlich-fundamentalistischen Basis wie auch bei den Tea-Party Mitgliedern. Die Umfragen zeigen, er hat durchaus eine Chance im Kandidatenfeld. Allerdings besagen die gleichen Umfragen, dass er im direkten Vergleich mit Präsident Obama den kürzeren ziehen würde. Sein Mangel an internationalen Erfahrungen und seine teils starren Haltungen werden ihm da zum Problem.

Cain ist im Rennen und wird es auch noch eine zeitlang bleiben. Mit Sicherheit wird man noch mehr von diesem von sich sehr überzeugten Kandidaten hören, der die GOP deutlich nach rechts zieht.

 

 

 

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