Gestern ist heute ist morgen

Gerade höre ich ein Album mit dem Titel „Prison Songs – Historical Recordings from Parchman Farm 1947-48„. Aufgenommen von Alan Lomax, dem legendären und dem wohl bedeutendsten Musiksammler überhaupt. Musik ist zeitlos. Was Lomax hier auf Band festgehalten hat, sind Lieder von schwarzen Gefängnisinsassen, die während ihrer harten Arbeit die Lieder sangen, die all das Leid, die Not, das Elend und die Situation ausdrückten, in der sie sich befanden. Ein beeindruckendes Album.

Immer wieder stolpere ich hier drüben über fantastische historische Aufnahmen. Etliche Labels haben sich der Musik von gestern verschrieben. Es ist nicht nur eine Faszination für den Klang, für das Unkommerzielle in diesen Liedern. Mono, Kratzen, etwas dumpf, das alles macht nichts aus. Es ist vor allem der Erhalt wichtiger musikalischer und kultureller Wurzeln, der mich beim Hören dieser Musik fasziniert. Das treibt mich eigentlich in jedem Land in Plattenläden, immer auf der Suche nach „Recordings“ von früher. Leider findet man Deutschland kaum Aufnahmen alter Volksmusik und überlieferter Lieder, die ohne große kommerzielle Absichten aufgezeichnet wurden. Einzig Trikont Records in München fällt mir ein, die immer mal wieder den Blick zurück werfen und dem, was sie da in Archiven und auf längst verstaubten Regalen finden, ein Ohr schenken.

Ganz anders in den USA. Ein Label sticht für mich dabei heraus: „Dust to Digital„. Ein kleines Indie-Label, das aus dem Keller von Lance Ledbetters Haus in Atlanta heraus betrieben wird und bereits einen Grammy gewonnen hat. Die Aufnahmen sind mit viel Liebe zusammen getragen, zum Teil restauriert, aber nie so verändert, dass sie neu und frisch klingen. Am Schluß spürt man die Liebe zum Detail. Die Grammy nominierte Holzbox „Goodbye Babylon“ ist ein Musterbeispiel für das Label, eine einmalige Sammlung von Gospelmusik zwischen 1902 und 1960. Keiner wußte am Anfang, wie diese Box angenommen werden würde, doch als Lance Ledbetter in einem Radiointerview hörte, wie Neil Young über diese Veröffentlichung sprach und erwähnte, dass er sie von seinem Freund Bob Dylan zugeschickt bekam, da wußte er, dass er mit seinem Konzept für „Dust to Digital“ auf dem richtigen Weg war.

Hier eine Dokumentation in zwei Teilen von der lokalen PBS Station in Atlanta:

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1 Kommentar in “Gestern ist heute ist morgen

  1. Also ich hab mir grad die beiden Videos angesehen und ich muss sagen … wowwwww das nenn ich mal wirkich tolle Musik. Ich bin zwar sonst eher der Charts Fan aber das werd ich mir gleich nochmal anhören
    .

    danke für den Beitrag!

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