Occupy Oakland

Wow, Oakland ist in den nationalen und internationalen News. Es wird endlich mal nicht über die hohe Mordrate der Stadt berichtet. Das ist doch  mal was, oder? Na ja, nicht ganz, denn was die Stadt in die Vorabendnachrichtensendungen brachte ist das harte Vorgehen der Polizei gegen die Occupy-Demonstranten. Dienstagmorgen wurde das Zeltlager der Bewegung direkt vor dem Rathaus geräumt und am Abend gab es eine Demonstration in der Stadt. Und die eskalierte. Objekte flogen durch die Luft und die Polizei antwortete mit Tränengas und Gummiknüppel. Ein Veteran des Irakkriegs wurde schwer am Kopf verletzt und liegt seitdem im Krankenhaus.

Bürgermeisterin Jean Quan, die sich gerne selbst als Aktivistin der Straße darstellt, war gerade nicht in der Stadt, hatte die Räumung des Camps jedoch angeordnet. Ein absoluter PR-Alptraum begann. Oakland wurde schlagartig zum Frontkampf der Occupy-Bewegung in den USA erklärt, obwohl es hier um was ganz anderes geht. Das Camp der Protestler war umstritten. Direkt vor dem Rathaus roch es nach Urin und Fäkalien, die Sicherheitslage wurde immer schwieriger, herbeigerufene Rettungssanitäter wurden nicht ins Camp gelassen. Also sah sich die Stadtführung gezwungen, die Zelte abzubrechen. Jean Quan, die noch im Wahlkampf im letzten Jahr sicherlich gerne für ein PR-Photo den Schlafsack neben den Demonstranten ausgerollt hätte, gab das ok und flog dann nach Washington für einen Termin. Und dann knallte es, die Situation geriet außer Kontrolle, keine Bürgermeisterin weit und breit und die ersten Aussagen von ihr waren schließlich auch nur Larifaridudeldei.

Die Oakland Stadtführung machte in den Folgetagen einen Rückzieher. Die Zelte stehen wieder, die Polizei hält sich zurück und Filmemacher Michael Moore kam am Freitag nach Oakland, um seine Solidarität mit der Occupy-Bewegung allgemein und im besonderen mit den Demonstranten in Oakland zu bekunden. Für den kommenden Mittwoch wurde ein Generalstreik in Oakland ausgerufen, auch soll es einen Marsch zum Hafen von Oakland geben, dem größten Arbeitgeber in der Stadt. Über die Inhalte der „Occupy Wall Street“ Bewegung wird hier kaum noch gesprochen. Von einer Regulierung der Banken, von einem Umdenken im Finanzwesen der USA ist nur noch selten die Rede. Hier geht es vor allem um eine Auseinandersetzung mit der Stadt und der Polizei. Wir gegen die. Man habe das Recht, mitten in der Stadt Zelte aufzubauen. „Wir sind das Volk“ auf Oakländisch. Die inhaltliche Debatte haben kommunistische und sozialistische Splittergruppen übernommen, die von einer Abschaffung des Kapitalismus und einer „Entkolonialisierung des Eigentums“ sprechen.

Man kann gespannt sein, wie es weiter geht. Auf der anderen Seite der Bay in San Francisco ist das SF Occupy Camp. Auch hier gibt es Probleme, auch hier will die Stadt räumen lassen. Es tut sich was in den USA, mal sehen, was daraus noch wird. Von der Massenbewegung, die auch Michael Moore in seinem Interview mit CNN erwähnt, sehe ich allerdings nicht viel/

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1 Kommentar in “Occupy Oakland

  1. Es ist zu hoffen, dass diese Splittergruppen nicht die Bewegung und damit auch erstmaligen Demonstrationswillen von „Normalbürgern“ zerreden!

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