Die Reise ins Oval Office

Als Michelle Bachmann ins Rennen ums Weiße Haus einstieg, bekam ich einen Anruf von einem Schweizer Radiosender. Bachmann sei Schweizerin, ich solle unbedingt was machen. Es stellte sich raus, dass ihr Mann Schweizer Vorfahren hatte und die auch schon vor Generationen ausgewandert waren. Also, war nichts mit dem regionalen Bezug. Und nun, mit dem Ausscheiden der wild daher plappernden Michelle, wird es wohl auch in naher Zukunft nicht zum Hissen der helvetischen Flagge im Weißen Haus kommen.

Bachmann also draußen, überraschend kam das Ausscheiden nicht. Wobei ich fest damit gerechnet hatte, dass auch Rick Perry seinen Cowboyhut nimmt. Zumindest hieß es am Wahlabend in Iowa aus Kreisen des Texaners, dass er nach Hause reise, um den Wahlkampf neu zu überdenken. Was das heißt ist immer klar, die Realität hat den Wunschtraum eingeholt. Doch Perry bleibt im Rennen und wird nun angreifen. Er sieht seine Chance in South Carolina, einem „Southern State“, in dem der Texaner mit seiner Message punkten will. Wenn das nichts wird, ist auch er draußen.

Nächste Woche steht New Hampshire an. Das sind die alles-oder-nichts Wahlen für Jon Huntsman und Newt Gingrich. Huntsman hat in den letzten Wochen alles auf diesen Bundesstaat gesetzt, ist rauf und runter, kreuz und quer getingelt, hat Hunderte von Händen geschüttelt, um seine Message rüber zu bringen. Doch bislang kommt er in den Umfragen nicht in die Pötte. Nach wie vor liegt er da im einstelligen Bereich. New Hampshire wird für ihn das Ende der Fahnenstange bedeuten.

Gingrich hingegen kocht derzeit. Vor der Wahl in Iowa wurde er massiv über Fernseh- und Radiospots angegriffen, und zwar nicht direkt von anderen Kandidaten, sondern von Drittgruppen. Der ehemalige Sprecher des Kongresses machte Mitt Romney dafür verantwortlich, gratulierte ihm noch nicht einmal nach dessen Sieg in Iowa und schwor Rache. Der Kampf wird nun ohne Bandagen weiter geführt.

Was der gefühlte Sieg von Rick Santorum allerdings deutlich machte, ist die Stimmungslage in der Partei. Die Republikaner erleben gerade einen Richtungskampf. Mit dem Ausscheiden von Michelle Bachmann und dem baldigen Ende des Kandidaten Rick Perry, könnte Santorum noch einmal einen kräftigen „Push“ bekommen. Das würde dann endgültig den Rechtsruck der GOP bedeuten. Und das wiederum könnte gerade Barack Obama in den Kram passen, der so einen Wahlkampf gegen eine fundamentalistisch-konservative Übernahme des Weißen Hauses führen würde.

Und Ron Paul, der Dritte in Iowa? Der texanische Abgeordnete bleibt im Rennen, egal was da kommen mag. Seine Anhänger und auch er wissen, dass er es nie bis zur offiziellen Kandidatur der Partei schaffen wird. Aber Ron Paul wirbelt die eigenen Reihen auf, spricht unbequeme Themen an und setzt damit seine Mitstreiter und die GOP unter Druck. Er hat seinen Platz im Wahlkampf gefunden und das bis wohl kurz vor dem Ende der Vorwahlen. Es bleibt spannend.

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