GOP ohne Mittelweg

Mitt Romney präsentiert seinen Haushaltsplan. Und der ist drastisch. Da können sich einige in den USA auf harte Zeiten einstellen, falls Romney im November gewählt werden sollte. Das gesamte – noch existierende – soziale Netzwerk in Amerika würde unterhöhlt werden. Tiefe Einschnitte in der Gesundheitsversorgung von weniger Verdienenden und Behinderten stehen ganz oben auf Romneys Liste. Daneben hat er den Rotstift bei der Nahrungsmittelkontrolle, der Bildung und der Grenzsicherung angesetzt.

Ganz im Gegensatz zu seiner eigenen Partei verspricht der ehemalige Gouverneur von Massachusetts Haushaltsaufstockungen für das Pentagon. Alle anderen nicht militärischen Bereiche werden zusammen gestrichen, sogar mehr noch, als es verschiedene GOP (Grand Old Party) Pläne im Kongress vorgeben. Insgesamt will er bis 2016 500 Milliarden Dollar einsparen. Ein dicker Batzen, der selbst republikanischen Abgeordneten Kopfzerbrechen bereitet. Romney präsentiert sich als der richtige Mann für den richtigen Job und beruft sich auf seine langjährigen Erfahrungen in der freien Wirtschaft. Und das wird dann patriotisch genannt.

So gar nicht mit dem Kandidaten zufrieden ist der ausgestiegene Präsidentschaftsanwärter Jon Huntsman. Unter Barack Obama Botschafter in Peking galt er in der GOP als der Intellektuelle, der Liberale, der die Partei zur Mitte hin öffnen könnte. Sogar viele Demokraten trauten ihm einiges zu. Doch Huntsman fiel durch, die republikanische Partei ist derzeit fest im Griff von erzkonservativen Gruppierungen, die keinen kühlen Kopf und Pragmatiker wie Jon Huntsman in ihrer Mitte dulden. Mitt Romney setzte sich mit seinem dicken Bankkonto und einem Spagat nach Rechts durch.

In der GOP geht es schon lange nicht mehr um eine Politik der Mitte, hier dreht sich alles darum, wer am meisten und am lautesten schreit und polemisiert. Wie sonst könnte eine Frau wie Sarah Palin sonst so einen Erfolg in den eigenen Reihen haben? Sie erklärt die Welt im Schwarz-Weiß Format. Hier der böse schwarze Mann, dort der gute weiße Patriot. Hier die bittere Realität mit Weltwirtschaft, Arbeitslosigkeit, nicht zu gewinnenden Kriegen, Sozialproblemen, dort der „American Dream“, Patriotismus, „God’s Country“  und der absolute Glaube an die militärische Dominanz Amerikas.

Mitt Romney läßt sich mitreißen, auch wenn ein großer Teil der Partei ihm das nicht abnimmt. Seine Politik als Gouverneur zeigt einen eher liberal orientierten Politiker. Und sein Verweis auf seine langjährigen Wirtschaftserfahrungen werden auch in Frage gestellt. Romney ist nicht der Wunschkandidat der Republikaner und er wird es auch nicht mehr werden. Huntsman sprach dies nun offen aus. Kopfschüttelnd kommentiert er die außenpolitischen Forderungen des Frontrunners und der Partei auf: „Ich weiß nicht, in welcher Welt diese Leute leben“. Als das Kandidatenfeld zur ersten Debatte antrat, wurden sie von allen Seiten bedrängt, eidesstattliche Erklärungen abzugeben. Es ging um Steuern, moralische und religiöse Verpflichtungen, die die verschiedensten Lobbygruppen in der Partei von den Kandidaten erwarteten. Huntsman war der einzige, der diese nicht unterschrieb. „Meine Frau meinte, wenn ich auch nur eine dieser Verpflichtungen unterschreibe, verläßt sie mich. Also mußte ich erklären, ich glaube an die Wissenschaft…und die Leute auf der Bühne schauten mich nur fragend an, komischer Kauz“.

Schade, es hätte ein spannender und interessanter, anspruchsvoller und tiefgehender Wahlkampf zwischen Obama und Huntsman werden können. Nun wird es erneut eine weitere unsägliche Politgeschichte in Amerika.

 

 

 

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