Wo die wilden Kerle wohnen

Am frühen Dienstagmorgen ist in Danbury, Connecticut, der 83jährige Schriftsteller und Illustrator Maurice Sendak gestorben. Bekannt, beliebt und weltberühmt wurde er für sein Buch „Wo die wilden Kerle wohnen“. „Ich mag interessante Menschen und Kinder sind wirklich interessant“, meinte er einmal in einem Interview. „Ich schreibe Bücher, die wohl passender für Kinder erscheinen, und das ist ok für mich. Sie sind ein besseres Publikum und härtere Kritiker. Kinder sagen einem, was sie denken, nicht was sie meinen denken zu müssen“.

Maurice Sendak wurde mehrmals in den USA von konservativen Organisationen angegriffen, mit dem Ziel seine Bücher aus öffentlichen Bibliotheken zu verbannen. Doch der Autor hatte neben all den Kindern, die seine Bücher liebten auch namhafte Leser. So verlieh ihm Präsident Bill Clinton 1996 die „National Medal of the Arts“ und Präsident Barack Obama las 2009 während des großen Ostereiersuchens im Garten des Weißen Hauses aus „Wo die wilden Kerle wohnen“ vor.

Während der Zeit meines Zivildienstes betreute ich die Kinderbücherei in der Städtischen Kinderklinik Nürnberg. Zweimal in der Woche schlappte ich mit einem ganz speziellen Bücherwagen über die Stationen und verteilte Bücher. In einigen Zimmern lagen immer ein paar Kleine in ihrem Bett, ganz alleine, verängstigt oder gelangweilt. Von Büchern und Lesen wollten sie nichts wissen. Doch „Wo die wilden Kerle wohnen“ war oftmals die Wende. Entweder kannten sie das Buch aus dem Kindergarten oder sie fühlten sich von den freundlichen Monstern und dem kleinen Helden Max in seinem Pyjama angesprochen. Ich las das Buch vor, fügte hier und dort noch was hinzu und eigentlich immer ließ ich es auch danach im Zimmer, wenn ich mich mit dem Bücherwagen wieder auf den Weg machte. Sendaks Kunst war es, Kindern die Angst zu nehmen.

1928 wurde Maurice Sendak in Brooklyn geboren. In einem Interview erinnerte er sich an die Tränen seiner jüdisch-polnischen Eltern, die immer wieder von den Gräueltaten der Nazis und den getöteten Verwandten und Freunden hörten. „Meine Kindheit verbrachte ich damit, an diese Kinder dort drüben (in Europa) zu denken. Meine Last ist, für jene zu leben, die starben.“.

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