Ein perfekt abgestimmter Wahlkampf

Barack Obama wurde nicht gedrängt. Weder von Vize-Präsident Joe Biden, noch von Bildungsminister Arne Duncan, die sich beide in dieser Woche für die Homo-Ehe ausgesprochen hatten. Das ABC Interview am Mittwoch, war nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Wiederwahl von Obama. Alles geplant, alles Kalkül, nichts wird bei so einem Unternehmen „White House“ dem Zufall überlassen. Wer wirklich glaubt, Obama habe sich nicht mit seinen Kabinettskollegen abgestimmt, der ist naiv.

In den jüngsten Umfragen sind 50 Prozent der Amerikaner für gleichgeschlechtliche Ehen, 48 Prozent dagegen. Doch die Zahlen trügen. Dem Großteil der jungen Amerikaner ist es eigentlich egal, ob Schwule und Lesben heiraten können und damit die gleichen Rechte und Pflichten wie heterosexuelle Paare bekommen. Junge demokratische und junge republikanische Wähler sind sich hier sogar einig. Obama hat hier die Unterstützung einer riesigen parteiübergreifenden Wählergruppe.

Die Diskussion über die „Gay Marriage“ wird nicht auf der Straße oder in den Kantinen, in der Mensa oder in High Schools geführt. Es ist vielmehr eine erzwungene Debatte über den sogenannten „cultural war“, den Krieg der Kulturen in den USA. Die wird von den konservativen Radiotalkshows, von FOXNews angeheizt, die schon kurz nach dem ABC Interview über Twitter verbreiteten: Obama Declares War On Marriage, Obama hat der Ehe den Krieg erklärt. Mit solch markigen Sprüchen wird das Feuer angefacht. Vor allem mit solchen Falschaussagen, denn Obama hat eigentlich nichts gesagt, was irgendwie große Veränderungen nach sich ziehen wird. Er hat lediglich davon geredet, dass er persönlich (!) die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren unterstütze. Gleichzeitig wies er daraufhin, dass auch weiterhin die einzelnen Bundesstaaten darüber entscheiden sollen, ob sie Ehen zwischen Schwulen und Lesben erlauben oder nicht. Obama hat weder eine Gesetzesvorlage auf Bundesebene noch eine Verfassungsänderung ins Spiel gebracht, wie das sein Vorgänger George W. Bush geplant hatte.

Das Interview von Barack Obama war ein kluger Schachzug. Er hat damit seine Basis mit einem emotionalen Thema angefeuert, gleichzeitig viele in der GOP angesprochen. Klar ist nun, Barack Obama ist der einzige Kandidat, der, wie es FOXNews Moderator Shepard Smith ausdrückte, „im 21. Jahrhundert angekommen ist“. Von nun an wird der Wahlkampf emotional geführt werden, es wird ein Kulturkampf. Obama hat mit seiner „persönlichen Meinung“ das Gespenst der reaktionären Bewegung in den USA aus dem Sack gelassen. Und die erzkonservativen Kräfte laufen ihm geradewegs ins offene Messer. Sie werden protestieren, lauthals schreien, mobilisieren, gegen Obama als Satan, Islamisten und Schwulenfreund wettern ….doch am Ende steht da ein wiedergewählter Präsident Barack Obama, der trotz Wirtschaftskrise, trotz innen- und außenpolitischer Probleme und trotz einer nicht existierenden Ehegarantie für gleichgeschlechtliche Partner im Weißen Haus bleiben wird. Good job, Mister President!

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