Privatisierung der Schulen

Das öffentliche Schulsystem in den USA liegt im argen. Landauf, landab, von Osten nach Westen sind die „public schools“ ein Desaster. Die Probleme für das Scheitern vieler Schüler sind vielfältig. Von gesunkenen finanziellen Mitteln, von überstarken Lehrergewerkschaften, vom reinen Testlernen bis hin zum Absenken des Lernniveaus….die öffentlichen amerikanischen Schulen sind reformbedürftig, das steht außer Frage. Doch die Ansätze, eine grundlegende Reform durchzusetzen und somit den Schülerinnen und Schülern die bestmöglichste Bildung zu bieten, wurde politisiert. Demokraten setzen auf eine allgemeine Bildung, fordern mehr Gelder und wollen den Einfluß der Gewerkschaften nicht beschneiden. Die Republikaner glauben nicht an eine Reform, können sich zu einer Abschaffung der „public schools“ aber auch nicht durchringen. Sie versuchen nun das öffentliche Schulsystem finanziell auszubluten.

Allen voran Bobby Jindal, Gouverneur von Louisiana und Hoffnungsträger seiner Partei. Er hat gegen den Willen der Opposition einen sehr fragwürdigen Plan durchs Abgeordentenhaus von Baton Rouge gepaukt. Dieser besagt, dass in Zukunft die Eltern von Schülern der öffentlichen Schulen die freie Wahl haben, ihre Kinder auch auf Privatschulen zu senden. Und falls sie dies tun, wird ihnen vom Staat einfinanzielle Gutschein in der Höhe jenes Betrages gewährt, den öffentliche Schulen für ihre Schüler ansetzen. Damit hofft Jindal, dass zum einen langfristig Gelder im 3,5 Milliarden Dollar Bildungshaushalt eingespart werden. Zum anderen ist er, wie eigentlich jeder Republikaner, davon überzeugt, dass Konkurrenz das Geschäft belebt. Nutznießer, so der Gouverneur, wären am Ende die Schüler. „Wir lassen die Eltern selbst entscheiden, was für ihre Kinder am besten ist, nicht die Regierung“, faßt er seinen Plan zusammen.

Das einzige Problem dabei ist, dass es nicht genug Privatschulen und vor allem qualitative Alternativen für die Eltern und Kinder in Louisiana gibt. Dennoch erwarten viele, gerade christlich-fundamentalistische Kleinstschulen einen staaatlichen Geldregen. In Ruston ist die Einrichtung „New Living Word“ angesiedelt, die zwar ein anerkanntes Basketball Team hat, aber keine Bücherei. Die Schüler verbringen den Großteil der Stunden vor dem Fernseher, über denen sie Auslegungen der Bibel in allen möglichen Fächern vermittelt bekommen. Die „Upperroom Bible Church Academy“ in New Orleans, ein bunkerähnliches Gebäude ohne Fenster und Spielplatz, plant 214 Gutscheinschüler aufzunehmen. Der Gegenwert 1,8 Millionen Dollar. Die Pastorin und jetzige Schulleiterin Marie Carrier will mit diesem neuen Gesetz 135 Schüler für ihre „Eternity Christian Academy“ in Westlake hinzugewinnen. Auch hier wird die Welt ausschließlich durch den christlichen Blick vermittelt. Das Wissenschaftsbuch beginnt mit den Worten „what God made“. Von Evolution ist keine Rede. „Wir versuchen von all den Dingen fern zu bleiben, die unsere Kinder verwirren könnten“, meint Carrier. Andere Privatschulen benutzen im Unterricht Materialien, die vor „Liberalen“ warnen, denn diese würden die Weltgemeinschaft gefährden, und nutzen „wissenschaftliche“ Bücher, die alles andere als wissenschaftlich fundiert sind.

Louisisanas Gouverneur hat mit seinem Gesetzesvorstoß die Totenglocke für das öffentliche Schulsystem geläutet. Anstelle einer mutigen und weitgehenden Reform, setzt er auf „die Wahl der Eltern“, die jedoch in Wahrheit keine ist. Am Ende werden im Bibelgürtel Amerikas noch mehr bibelfeste Kinder leben. Ach ja, das ist wohl die Wahl, die alles entscheidende im Süden der USA.

 

 

 

 

 

 

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