Amerika und die christliche Rechte

Vor vier Jahren reiste ich im Wahlkampf nach Tupelo, Mississippi. Dort im tiefsten Süden ist die Zentrale der „American Family Association“. AFA betreibt „American Family Radio“, ein christliches Network, das über rund 200 Stationen, zumeist in den Südstaaten, ausgestrahlt wird. Obwohl dieses christliche Radio als gemeinnützig und damit unpolitisch eingestuft wird, machen die Betreiber Politik. Ganz offen greifen sie jeden an, der homosexuelle Veranstaltungen, Initiativen oder Organisationen unterstützt. Lediglich den Namen des zu wählenden Kandidaten sagt man nicht, also, so die Meinung der Radiomacher, verstoße man auch nicht gegen das Gesetz.

Damals vor vier Jahren wurde mir von AFA und AFR Gründer Donald Wildmon klar gemacht, dass man bei den Demokraten mit Hillary Clinton und Barack Hussein Obama (Hussein wurde und wird immer wieder in seinem Namen betont) als Kandidaten, die Wahl zwischen Pest und Cholera habe. Auch der GOP Kandidat John McCain fiel bei den Fundamentalisten durch. Vor vier Jahren unterstützte Don Wildmon und sein AFR den Prediger und früheren Gouverneur Mike Huckabee.

Vier Jahre später. Barack Obama wird täglich über das Radio Network von AFR angegriffen. Mehr als eine Million Hörer werden Tag für Tag mit den Programmen erreicht. Hinzu kommen Rundbriefe, die zusätzlich noch einmal mehrere Millionen Leser haben. Dann noch Fernsehproduktionen und sogar ein eigenes Filmstudio, das gegründet wurde, um christilche Familien nicht dem „Schund aus Hollywood“ auszusetzen. AFA verfolgt ein Ziel, die Lehren der Bibel sollen die amerikanische Politik bestimmen. Und dafür ist als erster Schritt die Abwahl von Präsident Obama notwendig. Wildmon und seine Mitstreiter wissen, dass die republikanische Partei sie braucht. Von daher war es kein Wunder, als AFR Moderator Bryan Fisher umgehend in seiner Sendung „Focal Point“ gegen den Sicherheitsberater des GOP Kandidaten Mitt Romney wetterte. Der hatte Richard Grenell für seinen Wahlkampf engagiert, doch Grenell ist ein bekennender Homosexueller. Das ging natürlich für Fisher und die anderen AFR Moderatoren nicht. Wenn man täglich gegen den „homosexual lifestyle“ wettert, kann doch nicht einfach ein Berater des GOP Kandidaten offen schwul sein. Das war und ist nicht tragbar und mußte verhindert werden. Romney und seine Partei erkannten das schließlich auch, denn im November muß man sich darauf verlassen können, dass Leute wie Fisher die Hörer zu den Wahlurnen ruft. Richard Grenell nahm nach einer Woche im Amt seinen Hut.

Mitt Romney ist sicherlich nicht der Wunschkandidat der „American Family Association“ und ihres Grüners Don Wildmon. Rick Santorum war der Kandidat der christlichen Fundamentalisten, doch der fiel bei den Wählern durch. Stattdessen also Romney. Ein bitterer Beigeschmack, doch allemal besser, als der „Sozialist“ und Islam geschulte Barack Hussein Obama. Also fordert man die Hörer und Leser und Zuschauer des AFA Imperiums dazu auf, sich quasi eine Wäscheklammer auf die Nase zu klemmen und vor den Namen des Angehörigen einer christlichen Sekte, wie es die Mormonen für weite Teile der christlichen Fundamentalisten in den USA sind, das Wahlkreuz zu machen.

Hauptsache nicht Obama, doch bei Schwulen und Lesben versteht man im AFA Kreis keinen Spaß. Das hat Romney nun auch erkennen müssen. Doch die Geister, die er rief….Mitt Romney wird sich im Falle eines Wahlsieges daran erinnern müssen, wer ihn ins Oval Office gebracht hat.

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