My Country, My Gun, My Right

71 Menschen in 90 Sekunden. 12 Tote, 59 Verletzte. Das ist die Bilanz des Massakers von Aurora. Es wären wohl mehr gewesen, wenn das Schnellfeuergewehr AR-15 des mutmaßlichen Schützen James Holmes nicht blockiert hätte. Eigentlich sollte es gar nicht mehr möglich sein, diese Art von Gewehren zu erwerben, denn bereits 1994 unterzeichnete der damalige Präsident Bill Clinton ein Gesetz zum Verkaufsstopp für diese Art Schußwaffen. Doch das Gesetz lief 2004 unter dem Nachfolger George W. Bush aus. Und seitdem gab es mehrere Versuche es zu erneuern, doch vergeblich.

Nun, nach der Schießerei in Aurora, wird ein neuer Anlauf unternommen. Mehrere Demokraten, darunter die kalifornischen Senatorinnen Dianne Feinstein und Barbara Boxer, wollen das Verbot wieder in Kraft treten lassen. Die New Yorker Demokratin Carolyn McCarthy, deren Sohn erschossen wurde, warf der Waffenlobby National Rifle Association (NRA) vor, dass sie mit der Angst der Leute spiele und Abgeordnete unter Druck setze. „Jeder kann auch weiterhin an Thanksgiving auf die Jagd gehen, auch wenn Sturmgewehre verboten sein sollten, denn diese sind nur dazu da, so viele Menschen wie nur möglich in kürzester Zeit zu töten“, so McCarthy.

Aber die Message scheint bei den knarrenverliebten Amerikanern nicht anzukommen. Allein in Colorado stiegen die Anfragen auf Hintergrundchecks bei Waffenkäufen seit dem Massaker um 41 Prozent. Allein am vergangenen Wochenende erhielt das FBI 2887 solcher routinemäßiger Anfragen von Waffenhändlern. Ihnen werden derzeit die Türen eingerannt, so die Gun Shop Besitzer. Viele Kunden hätten Angst, dass Präsident Barack Obama im Falle eines Wahlsieges seine zweite Amtszeit dafür nutzen würde, das „Recht auf Waffenbesitz“ einzuschränken.

Der sprunghafte Anstieg von Waffenverkäufen nach solchen Amokläufen ist in den USA nichts neues. Als im vergangenen Jahr in Arizona die demokratische Abgeordnete Gabrielle Giffords im Kugelhagel von Jared Loughner schwer verletzt und dabei auch noch weitere Menschen getötet und verwundet wurden, stieg unmittelbar darauf der Waffenverkauf in Arizona um 60 Prozent.

Amerikaner lieben ihre Knarren, wie auch das Bild einer Waffenliebhaberin mit ihrem speziell lackierten aber funktionstüchtigen Sturmgewehr AR-15 zeigt – dieses Modell kam auch in Aurora zum Einsatz. Die „Love for Guns“ läßt sich in einer Zahl gut auszudrücken. Im Weihnachtsmonat Dezember 2011 wurden in den USA eine Million Fünfhundertvierundreissigtausend Vierhundert und Vierzehn Pistolen und Gewehre verkauft. Noch Fragen!?

 

 

 

 

1 Kommentar in “My Country, My Gun, My Right

  1. Das Problem der USA ist, das geschätzt 500 Millionen Kurz- und Langwaffen aller Art legal im Besitz der Bevölkerung sind, dazu noch wahrscheinlich mehr als 100 Millionen illegale. Selbst mit einem sofortigen Verbot des Waffenverkaufs ist die Gesellschaft also nicht zu entwaffnen. Das ist zwar noch kein Argument dagegen den Besitz von Schnellfeuerwaffen zu verbieten, es wird aber an der grundsätzlichen Problematik der Gewaltverbrechen mit Schußwaffen in den USA nichts ändern. Die regelmäßige Forderung nach mehr Waffenkontrolle nach Vorfällen wie jetzt ist eher ein Ausdruck der Hilflosigkeit. Das Problem liegt tiefer, nämlich in einer grundlegenden Bereitschaft der Gesellschaft der USA Probleme gewaltsam zu lösen. Das beginnt schon ganz oben, wo der Präsident schon mal weltweit vorgebliche Gegner der USA mittels Drohnenangriff oder per CIA Aktion ohne jegliche gesetzliche Grundlage einfach so eliminiert. Erst wenn sich die Einstellung in der USA zur Gewalt grundlegend ändert werden auch Vorkommnisse wie jetzt in Colorado weniger werden. Insofern hat die Waffenlobby der USA schon recht wenn gesagt wird es sind immer die Leute die andere erschießen und nicht die Waffen.

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