Wann ist man zu dumm für die Hinrichtung?

Auch ein IQ von 61 konnte Marvin Wilson nicht retten. Am Dienstagabend wurde der 54jährige im Staatsgefängnis von Texas hingerichtet. Seine Anwälte hatten noch in einer letzten Verzweiflungstat den höchsten Gerichtshof der USA in Washington angerufen, doch auch die Damen und Herren am US Supreme Court stoppten den Scharfrichter in Huntsville nicht. Obwohl sie das ganz einfach hätten tun können, denn 2002 entschied genau dieses amerikanische Verfassungsgericht, dass geistig Behinderte und Minderbemittelte nicht hingerichtet werden dürfen. In Texas liegt die Messlatte bei IQ 70. Eigentlich ein klarer Fall, doch die Staatsanwaltschaft im Fall Wilson setzte sich im Prozess durch, der Angeklagte wurde für den Mord an Jerry Williams im Jahr 1994 zum Tode verurteilt.

Doch selbst der Fall weist Unklarheiten auf. Wilson behauptete bis zum Schluß, dass er nicht auf Williams geschossen habe, der ihn als Drogendealer bei der Polizei identifiziert hatte. Jerry Williams hatte einen Freund, der ebenfalls als Tatverdächtiger galt. Der jedoch kam mit einer lebenslänglichen Haftstrafe davon, weil dessen Frau gegen Williams aussagte und erklärte, er habe mit der Tat geprahlt. Doch weder direkte Zeugenaussagen noch eindeutige Spuren konnten jemals den genauen Hergang klären.

Stattdessen ging das Prozedere los, ob Wilson nun einen IQ von 61 oder, wie die Staatsanwaltschaft erklärte, einen von knapp über 70 habe. Die Anklagevertreter behaupteten, Wilson sei schlau genug gewesen, um als Verbrecher auf der Straße zurecht zu kommen, von daher sei er auch schuldfähig. Dem widersprachen Familienmitglieder, Freunde und ehemalige Lehrer, die bezeugten, dass Marvin Wilson noch nicht einmal in der Sonderschule zurecht kam und immer wieder als „Depp“ und „Blödel“ bezeichnet wurde.

Texas richtet also weiter hin. Kritiker am Abend meinten nur zynisch, wenn Marvin Wilson ein Fötus gewesen wäre, hätte der christliche Fundamentalist und texanische Gouverneur Rick Perry alle Hebel in Bewegung gesetzt, um das Leben zu retten. Eine komische Gratwanderung ist das im „Lone Star State“.

 

1 Kommentar in “Wann ist man zu dumm für die Hinrichtung?

  1. Kann ich nicht nachvollziehen! Wie kann die Staatsanwaltschaft denn behaupten der IQ wäre über 70, gab es dann einen erneuten Test? Wie ist man eigentlich zuvor auf den Wert von 61 gekommen – bei den gewöhnlichen IQ Test’s kann man sich nicht nur nachoben sondern ganz sicher auch nach unten schummeln =)
    Nichts desto Trotz, traurige Story! Gruß

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