Der Kandidat ohne Wähler

Mitt Romney hatte sich mit seinen jüngsten außenpolitischen Äusserungen schon quasi die Chancen auf eine erfolgreiche Kandidatur genommen. Selbst in der eigenen Partei stöhnte man auf, über die Kurzsichtigkeit und die naive Interpretation der gewaltsamen Übergriffe auf amerikanische Botschaftseinrichtungen. Irgendwie hoffte man auf ein gelungenes Comeback, auf einen geplanten Rückschlag gegen Team Obama.

Doch dann kam auch noch die Veröffentlichung des Videos von einer Wahlkampfveranstaltung im Mai, auf der Romney erklärte 47 Prozent der Wähler seien ihm sowieso egal. Eine klare Ansage und ein deutliches Signal an alle Wähler, dass Mitt Romney gar nicht Präsident aller Amerikaner werden möchte. Vielmehr sieht er sich als ein Vertreter von ein paar wenigen, jenen mit direkten finanziellen Interessen im Weißen Haus. Romney scheint der Kandidat zu sein, der die Arm-Reich Schere im Land noch weiter auseinanderreißen will und wird. Der Republikaner, und das ist in diesen Tagen klar geworden, ist noch nicht in der heißen Phase des Wahlkampfes angekommen. Am 3. Oktober steht die erste Fernsehdebatte zwischen Amtsinhaber Obama und dem republikanischen Herausforderer Romney zur besten Sendezeit an. Ohne Teleprompter, ohne die Zusprache von Beratern muß sich Romney einem Präsidenten stellen, der solche Duelle lebt und liebt. Mitt Romney muss in den kommenden Wochen alles daran setzen, um irgendwie noch Punkte, gerade mit den Wählerschichten zu sammeln, die er in jüngster Zeit so hammerhart vor den Kopf gestoßen hat. Latinos, Afro-Amerikaner, Arbeiter, Mittelschichtsangehörige, Frauen und Mütter, Erstwähler, Homosexuelle….und das sind nur ein paar Beispiele von Wählergruppen, die in diesem Jahr massiv im Wahlkampf auftreten. Mitt Romney hat ein Problem, er läuft einem Zug hinterher, der schon ohne ihn den Bahnsteig Richtung Weißes Haus verlassen hat.

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