Ich bin nicht der einzige

Ich bin nicht der einzige     

Es gibt solche Momente, da ist man sprachlos. Was soll man auch sagen in solchen Augenblicken? Wenn man zum Beispiel in Kigali einem jungen Mann gegenüber sitzt, der einem erzählt, wie er als Kind vor dem Genozid in Ruanda fliehen mußte, Verwandte ihn im Busch von Tansania aussetzten, seine Eltern beim Abschlachten in Ruanda umkamen, er danach mit viel Wille, Ehrgeiz, Mut und Kraft in die Schule ging, lernen wollte. Er einem gesteht, es gab Augenblicke, an denen er sich umbringen wollte, er dennoch seinen Lebensweg weiter ging, Deutsch lernte, in Deutschland studierte und zurück in sein Land kam, um hier am Wiederaufbau mitzuhelfen. Wenn dieser junge Mann im Blick zurück erklärt, es sei nie leicht gewesen und gleichzeitig relativiert „ich bin nicht der einzige“….

Oder man sitzt in einem kleinen Büro in der ruandischen Hauptstadt und hört die Lebensgeschichte eines anderen, der beschreibt, wie seine Eltern sich ein paar Tage Überleben erkaufen konnten, bevor die Hutu Milizen mit Macheten und Knüppeln kamen. Er überlebte, weil er sich bei einem Freund versteckte, danach mit der Hilfe eines Bekannten flüchten konnte, vorbei an abgeschlachteten Männern, Frauen, Kindern. Er erlebte den ganzen Horror des ruandischen Genozids, als die Welt 100 Tage einfach wegschaute, so als ob da nichts passierte im Herzen von Afrika. Wenn dieser Mann heute die Genozid Gedenkstätte in Kigali leitet, aus dem Drang heraus, dass so etwas nie wieder passieren darf, er für sich einen Weg gefunden hat seine eigene Geschichte zu verarbeiten, auch dann sitzt man schweigend da.

Dieses Feature soll erinnern, nachdenklich machen, anregen, genauer hinzusehen, was da in der weiten Welt passiert.

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