Das Ei tötet, eine Glock nicht

Es wird sich in den USA nichts ändern. Die Waffenlobby macht mobil, Kritiker sollen verstummen und die mächtige NRA weigert sich, mit Präsident Barack Obama an einer Lösung des Waffenproblems zu arbeiten. Ganz klar wird gesagt, wenn die von Obama einberufene Kommission nur aus Leuten bestehe, die schon seit Jahren das vermeintliche Grundrecht auf Waffenbesitz einschränken wollen, dann habe es keinen Sinn mit eigenen Vorschlägen am selben Tisch zu sitzen. Das heißt im Klartext, die NRA und ihre vier Millionen Mitglieder wollen weder den Verkauf von Sturmgewehren verbieten, noch den Zugang zu Schußwaffen für psychisch labile Menschen beschränken, noch etwas für die allgemeine Prävention von weiteren Amokläufen tun.

Also, es wird sich nichts ändern. Alles wird so bleiben wie es ist. Es wird jetzt viel nach neuen Gesetzen gerufen, die Bilder der ermordeten Schulkinder von Newtown kennt mittlerweile jeder in den USA. Doch am Ende wird nichts passieren. Mal ganz ehrlich, erwartet man wirklich, dass sich die Waffengesetze in den Vereinigten Staaten ändern, in einem Land, das den Import und den Verkauf von Kinderüberraschungseiern verbietet? Ja, was süßes, was zum Spielen, eine Überraschung ist seit 1997 für den Gesetzgeber in den USA gefährlicher als der Kauf einer Glock, einer Smith & Wesson, einer Heckler & Koch. Man darf schon als Kleinkind auf dem Schießstand in Wildwestmanier durch die Gegend ballern, aber kein Kind sollte dem gefährlichen Überraschungsei ausgesetzt sein. Wer in die USA einreist und solche Süßigkeiten als Mitbringsel im Koffer mit sich führt, bekommt eine Lektion in Sachen amerikanischer Logik. Die Eier werden als verbotenes und als gefährlich eingestuftes Importprodukt beschlagnahmt und zerstört. Noch Fragen?

Klar ist, nicht die Amerikaner haben ein Problem mit ihren mehr als 30.000 Schußwaffenopfern im Jahr, sondern der Rest der Welt mit seinen vom Erstickungstod gefährdeten Kindern. Ja, wir alle im Rest der Welt – die USA sind das einzige Land, das den Import und den Verkauf von Überraschungseiern explizit verbietet – sollten uns Gedanken machen und endlich verantwortlich handeln. Prost Neujahr!

5 Kommentare in “Das Ei tötet, eine Glock nicht

  1. Liegt der Grund für das Einfuhrverbot nicht darin, dass die Schokolade ein Milchprodukt ist?
    Ist die Einfuhr von Milch- und Fleischprodukten in die EU nicht auch verboten?
    Da werden doch Äpfel mit Birnen verglichen. Man darf als Privatmann ja auch keine Glock einführen…

  2. Man darf keine Lebensmittel einfuehren, die gekuehlt werden muessen, also Frischkaese oder Wurst….aber RitterSport und andere Schokoladen sind durchaus im Handel in den USA zu erwerben. Ach ja, Aepfel und Birnen aus deutschen Landen kann man in den USA nicht kaufen 😉

  3. Waffenbesitz in den USA ist kein vermeintliches Grundrecht sondern ein tatsächliches Grundrecht seit mehr als 200 Jahren. Es steht in der Verfassung, in der Bill of Rights. Das sollte man dann auch als Ausländer erst mal akkzeptieren. Es ist nämlich wesentlich mehr als ein Waffenbesitzrecht, es ist Ausdruck des Grundverständnises des Verhältnis Staat/Bürger in den USA, das sich nun einmal grundlegend von dem in Zentraleuropa unterscheidet. Während in Deutschland noch immer eine Art Unterthanenverhältnis vorherrscht, bedeutet das Recht zur Bewaffung des Bürgers in den USA eine Gleichstellung von Staatsmacht und Bürger. Jede Einschränkung des Waffenbesitzrechts in den USA wird deshalb als Unterordnung des Bürgers unter den Staat empfunden und trifft deshalb auf massiven Widerstand.

  4. Was erwartet ihr von einem Land, in dem auf jeder Mikrowelle beim Verkauf stehen muß „nicht geeignet zum Trocknen von Haustieren“ und das einem Wohnmobilfahrer Schadenersatz zuspricht, der den Tempomat einschaltete und dann nach hinten in die Küche ging, um sich einen Kaffee zu kochen? In der Gebrauchsanweisung stand NICHT (welch ein Frevel!), dass der Tempomat das Gefährt NICHT STEUERT, deshalb musste dem armen Kerl der Schaden ersetzt werden, der entstand, als er aus der Kurve flog!

  5. Ach, Herr Wolferl, ich akzeptiere es ja als fast quasi Inlaender, allerdings ist dieses angesprochene Grundrecht auch Auslegungssache. Die Gruendervaeter hatten sicherlich nicht im Sinn, dass irgendwelche Leutchen da mit Sturmgewehren in Schulen rumballern….

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