Zieht Euch warm an

Stichtag 1. Februar. Nein, keine neuen Steuern für die Bürger, keine neue Fahrpreiserhöhungen und auch keine neuen Abfallgebühren. Ab heute darf man in San Francisco nicht mehr nackt durch die Gegend laufen. Ja, Schluß mit den nackten Tatsachen auf den Straßen der nordkalifornischen Metropole. Doch das auch nur halb, es geht eigentlich nur um die Geschlechtsteile, die ab heute nicht mehr unbedeckt an der frischen Luft gezeigt werden dürfen.

Das Problem mit den Nudisten in der „City by the Bay“ ist in der jüngsten Zeit etwas außer Kontrolle geraten, wir berichteten in einem früheren Blogeintrag darüber. Supervisor Scott Wiener hatte genug von den Klagen aus seinem Distrikt, wo vor allem in die Jahre gekommene Männer an einer vielbefahrenen und vielbesuchten Straßenecke, Market und Castro, nackig auf Stühlen und Bänken saßen. Und sie saßen nicht nur da, nein, nach dem stundenlangen Sonnen- oder Nebelbad latschten sie im Adamskostüm durch die Nachbarschaft nach Hause. Bislang sagte niemand etwas, wenn mal einer nackt spazieren ging oder nackt an der monatlichen Fahrraddemo „Critical Mass“ teilnahm. All das war geduldet, San Francisco eben.

Familien mit Kleinkindern und etliche der sonst so liberalen San Francisco Bewohner waren allerdings entsetzt, denn die Freikörperkultur hatte sich rumgesprochen. Nicht nur Nudisten von außerhalb kamen in ihre Nachbarschaft, auch Touristen mit Kameras machten sich auf die Suche nach den „Naggerten“ im Castro Distrikt. Scott Wiener hatte also genug, brachte den Gesetzentwurf im Rathaus ein, dass man fortan nicht mehr einfach so die kühle Luft im Schritt genießen darf. Es folgte ein Aufschrei sondergleichen, Wiener wurde als hochverklemmt und als Faschist beschimpft. Doch er setzte sich durch, Stichtag 1. Februar. Die Nudisten protestierten und klagten, bislang ohne Erfolg. Ein Richter machte allerdings deutlich, wenn die Freunde der Freikörperkultur ihre Nacktheit als Meinungsfreiheit sehen und die Stadt nun diese einschränken will, dann könnten sie nach den ersten Verhaftungen wieder vor Gericht erscheinen, dann müßte neu verhandelt werden. Und genau das planen die Nudisten schon heute am 1. Februar. Sie wollen nackt, wie Gott sie schuf, verhaftet werden, um erneut ihren Tag vor Gericht zu bekommen.

Das alles wird wohl ein weiteres Kapitel im Buch: „Only in San Francisco“.

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