Darf ich Deutscher bleiben?

Gerade lese ich auf SPIEGEL Online über die Debatte zur doppelten Staatsangehörigkeit. Ich verfolge diese Diskussion aus einer etwas anderen Perspektive, nämlich der aus dem Ausland. In dem Artikel wird der Sprecher von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich mit den Worten zitiert: „Wer in einem Land wohnt und dort auch bleiben will, muss sich zu dem Land klar bekennen und dort auch die Staatsangehörigkeit annehmen“. Und dann legt der CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt noch einen drauf und meint: “ Zur doppelten Staatsbürgerschaft sagen wir klar nein. Die deutsche Staatsbürgerschaft ist kein Ramschartikel, den man billig verscherbelt. Wer Deutscher werden will, soll sich vorbehaltlos zu unserem Land und unserer Grundordnung bekennen, da gibt es keinen Platz für Hintertürchen.“

Das heißt im Klartext, dass wohl bald mein deutscher Pass eingezogen werden wird, denn ich bin derzeit dabei, (auch) die amerikanische Staatsbürgerschaft anzunehmen. Nach 16 Jahren in den USA macht das aus beruflichen und auch aus privaten Gründen Sinn. Das Prozedere läuft, mein Antrag liegt bereits beim Bundesverwaltungsamt in Köln, ein bürokratischer Akt, in dem geprüft wird, ob ich berechtigt bin zusätzlich neben der deutschen auch die amerikanische Staatsbürgerschaft anzunehmen. Ich mußte dazu einen Antrag ausfüllen und eine Begründung schreiben, warum ich die „andere“ Staatsbürgerschaft annehmen will, welche Nachteile ich als Nicht-Amerikaner in den USA und welche Verbindungen ich noch nach Deutschland habe. Der Argumentation des Bundesinnenministeriums folgend, müßte mein Antrag allerdings abgelehnt werden….wenn ich denn den Sprecher des Ministers richtig verstehe. Und auch Herr Dobrindt erklärt mit deutlichen Worten, dass eine doppelte Staatsbürgerschaft nicht im Sinne Deutschlands sei.

Es wird allerdings übersehen, dass viele Deutsche wie ich im Ausland leben, dort ihren Lebensmittelpunkt aus beruflichen oder privaten Gründen haben. Die Entscheidung auch Amerikaner zu werden ist für mich keine Abkehr von Deutschland. Ganz im Gegenteil, ich will meine deutsche Staatsbürgerschaft behalten. Meine Familie lebt hier, meine Wurzeln sind hier, ich halte engen Kontakt mit meiner Familie und meinen Freunden. Und ich lebe als Deutscher in meinem Gastland USA.

Jetzt drehen wir das ganze mal um. Warum sollte ein junger Mann oder eine junge Frau, in Deutschland geboren, hier aufgewachsen, Wurzeln geschlagen, wählen müssen zwischen der deutschen und der türkischen Staatsbürgerschaft? Was ist so schlimm an zwei Pässen? Das hat nichts mit mangelnder Loyalität zu tun, oder ziehen wir demnächst gegen die Türkei in den Krieg? Vielmehr sollte man endlich akzeptieren, dass Deutschland eine bunte Republik geworden ist, in der Menschen mit verschiedener Herkunft, Kultur, Sprache leben. Wer hier geboren ist, wer hier seit Ewigkeiten lebt, sollte die Möglichkeit bekommen, sich zu Deutschland zu bekennen ohne gleichzeitig seine elterliche Identität aufgeben zu müssen. Genau das ist es, warum ich an meinem deutschen Pass festhalte und Deutscher bleiben werde.

 

16 Kommentare in “Darf ich Deutscher bleiben?

  1. Man muss schon echt bescheuert sein, wenn man als Europäer die US-Staatsbürgerschaft annimmt. Da das Strafe genug ist kann man ja mal über den Landesverrat hinwegsehen. Aber sie sind jetzt kein Deutscher mehr, egal ob sie eine Staatsbürgerschaft behalten dürfen oder nicht, genügend Kontakte zu staatlichen Stellen hier haben Sie ja. Aber hören Sie als Ausländer bitte auf uns Deutschen hier zu erklären wie Deutschland geht. Denn wer der Beliebigkeit des individuellen Vorteils verfallen ist braucht anderen nicht zu erklären wie sie zu leben haben.

  2. Na, Sie sind aber mal wieder geladen….ich bin also nun ein „bescheuerter, ausländischer Landesverräter“. Ich habe wirklich schon viel gehört, aber sowas noch nicht. Ich sollte mich wohl Ihrer Meinung nach glücklich schätzen, nicht in anderen Zeiten zu leben!!!
    Sie scheinen mein Leben ja zu kennen, wenn Sie mir solche guten Kontakte nachsagen…aber Sie vergessen, dass das Staatsbürgerschaftsrecht vor einigen Jahren verändert wurde. Ich kann nicht einfach eine zweite Staatsbürgerschaft annehmen, ich brauche dazu die Genehmigung der Bundesrepublik, sprich des Bundesverwaltungsamtes. Das ist Recht….und eben auch mein Recht als Deutscher. Ach ja, ich darf auch weiterhin mein Wahlrecht ausueben!!!
    Was ich in meinem Blog aufzeigen wollte ist die Unlogik einiger Politiker, die erklären, es dürfe nur eine Staatsbürgerschaft gelten, aber dann vor ein paar Jahren der Reform des Staatsbürgerschaftsrechts für Deutsche im Ausland zustimmten. Sie können das als „bescheuert“ und „landesverräterisch“ abtun, allerdings ist das nun bundesdeutsches Recht….und so lange ich meine deutschen Pass habe ist es damit auch mein Recht.

  3. Sehr geehrter Leser Wolferl,
    Sie sollten vielleicht mal Ihre Paragraphen lesen, bevor Sie damit um sich schlagen. Was ein Reisepass mit Landesverrat zu tun hat, erschließt sich mir nicht. Es scheint so, als ob Sie noch in den guten alten Zeiten leben, in denen Deutschtum noch gross geschrieben wurde. Ein Tuerke wird auch Deutscher, ein Deutscher wird auch Amerikaner….unmöglich im Weltbild der alten Schule.
    Tja, die Zeiten haben sich geändert, Herr Wolferl, jeder Tag, jeder Spaziergang durch den Park, zum Supermarkt, eine U-Bahn Fahrt in die Innenstadt muß für Sie eine Qual sein….Einmal geseufzt…..da müssen Sie durch…und wachen Sie endlich mal auf!!!!

    § 94 Landesverrat

    Wer ein Staatsgeheimnis

    1. einer fremden Macht oder einem ihrer Mittelsmänner mitteilt oder
    2. sonst an einen Unbefugten gelangen läßt oder öffentlich bekanntmacht, um die Bundesrepublik Deutschland zu benachteiligen oder eine fremde Macht zu begünstigen, und dadurch die Gefahr eines schweren Nachteils für die äußere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland herbeiführt, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.

    (2) In besonders schweren Fällen ist die Strafe lebenslange Freiheitsstrafe oder Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter

    1. eine verantwortliche Stellung mißbraucht, die ihn zur Wahrung von Staatsgeheimnissen besonders verpflichtet, oder
    2. durch die Tat die Gefahr eines besonders schweren Nachteils für die äußere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland herbeiführt.

    Gruß

    Hoch Ingrid 😉

  4. @ Peltner

    Die Annahme der US Staatsbürgerschaft als EU Bürger bringt so viele Nachteile alleine in steuerlicher wie auch in zivilrechtlicher Hinsicht mit sich, dass dies eben bescheuert ist. Mal ganz abgesehen davon, dass man sich auch sonst dem immer faschistoideren Überwachungsstaat der USA voll aussetzt. Und Bürger der USA weltweit zu den unbeliebtesten Personen zählen. Aber das ist ihre persönliche Angelegenheit. Wenn ihnen das alles das Recht wert ist, alle zwei Jahre zusammen mit 100 Millionen anderen in den USA ein paar Wahlkreuze zu machen, bitteschön. Aber erwarten Sie nicht, das andere sie noch als Deutschen betrachten, selbst wenn sie es schaffen, dass Sie die deutsche Staatsbürgerschaft per Gnadenakt behalten dürfen. Wenn rechtlich alles korrekt zugeht müssen Sie diese übrigens sicher verlieren. Ich bin mir aber sicher, dass das wegen ihrer guten Kontakte nicht passiert.

  5. Herr Wolferl, jetzt mal ganz direkt und klar gesagt: Sie haben in diesem Fall keine Ahnung von was Sie eigentlich sprechen. Das Staatsbuergerrecht wurde vor ein paar Jahren geaendert, Deutschen in den USA ist es moeglich, wenn Sie glaubhaft nachweisen koennen, dass Sie berufliche Nachteile haben und gleichzeitig noch enge Verbindungen zu Deutschland haben, die US amerikanische Staatsbuergerschaft anzunehmen.
    Das hat nichts mit Gnadenakt oder guten Kontakten zu tun!!!
    Steuerlich aendert sich bei mir deswegen auch nichts, ich versteuere schon lange meine Einnahmen in den USA. Auch hier gibt es ein internationales Abkommen….ebenfalls kein Gnadenakt und ebenfalls nutzen da auch nicht meine vermeintlich guten Kontakte zu wem auch immer.

  6. @ Peltner

    Kenne ihre Situation im Detail nicht, interessiert mich auch nicht. Sie leben aber seit 20 Jahren und mehr in den USA haben also keine wirklichen Bindungen mehr nach Deutschland. Dass sie mal hier geboren wurden und vieleicht auch noch ein paar Verwandte haben die sie ab und zu besuchen ist keine Bindung. Und dass sie wirklich relevante Vorteile mit US Staatsbürgerschaft zur Situation mit Green Card, unbegrenzter Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis haben wage ich auch stark zu bezweifeln, was sollte das denn sein? Somit sollten Sie die deutsche Staatsbürgerschaft mit Annahme der US Staatsbürgerschaft verlieren. Aber Sie werden irgend eine abstruse Geschichte erzählen aufgrund derer sie dann deutscher Staatsbürger bleiben dürfen weil das manchen Leuten halt so gefällt, obwohl es dem geltenden Recht eigentlich widerspricht. Das schließt nämlich eine Doppelstaatsbürgerschaft nach wie vor grundlegend aus, zurecht.

  7. Ich lebe seit 16 Jahren in den USA und habe durchaus noch viele Bindungen nach Deutschland. Familie, Freunde und vor allem meine Arbeit nicht zu vergessen. Und ich weiss gar nicht, wie Sie darauf kommen, dass eine doppelte Staatsbuergerschaft gegen das Gesetz verstoesst. Es ist ein normaler Antrag, der eingereicht wird, damit man die deutsche Staatsangehoerigkeit beibehalten kann. Darueber wird entschieden. Man braucht dafuer keine abstruse Geschichte zu erfinden, sondern nur begruenden, warum und weshalb.
    Sie koennen das gerne alles hier nachlesen….auf der Webseite der deutschen Botschaft in Washington:
    http://www.germany.info/Vertretung/usa/de/05__Dienstleistungen/02__Staatsangehoerigkeit/02__Beibehaltung/__Beibehaltung.html

  8. @ Peltner

    Die Botschaft in Washington sagt exakt das gleiche wie ich hier. Für Sie nochmal den Kernsatz:

    „Grundsätzlich gilt zwar weiter, dass der Erwerb einer ausländischen Staatsangehörigkeit den Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit zur Folge hat ..“

    Hauptziel des deutschen Staatsangehörigkeitsrechts ist nach wie vor die Vermeidung von Doppelstaatsbürgerschaften. Und ich kann keine Nachteile erkennen die Deutsche in den USA mit Green Card regelmäßig haben sollen, die das Durchbrechen dieses Grundsatz rechtfertigen sollen. Mit Green Card lebt man dort wie ein US-Bürger, nur dass man halt nicht wählen darf. Das ist aber kein Grund für eine Doppelstaatsbürgerschaft.

  9. Sehr geehrter Wolferl,
    Sie dürfen auch gern erst denken und dann schreiben. Ich finde Ihre Beleidigungen unangemessen. An anderer Stelle im Internet bin ich Moderator und derartige „Disskussionsbeiträge“ (die nur provozieren wollen) würden mindestens editiert werden.
    Ansonsten finde ich Herrn Peltners Begründung warum er die doppelte Staatsbürgerschaft behalten möchte einleuchtend.
    Genau das mag ich an dem Blog: Der Blick von außen auf Deutschland mit fundiertem Landeswissen. Dafür und für die Einsichten in die USA, danke ich.
    Mit Grüßen,
    Lori

  10. @Wolferl: Dann zitieren Sie aber auch weiter und lassen Sie nicht den wichtigen Part fuer in den USA lebenden Deutschen aus (oder ist das Absicht?):

    …Die Entscheidung über den Antrag ist weiterhin eine Ermessensentscheidung. Ihr liegt unter der geänderten Regelung des § 25 Abs. 2 StAG die Abwägung privater und öffentlicher Interessen zugrunde.

    @Lori: Danke Ihnen!!!

  11. @ Lori

    Wie nett, eine Meinung die Ihnen nicht gefällt soll gleich mit Zensur bekämpft werden. Ich glaube, da haben Sie sich schon fast eine deutsche Ehrenstaatsbürgerschaft verdient. Im Gegensatz dazu hat der Herr Peltner in 16 Jahren USA immerhin eine Lektion in Meinungsfreiheit gelernt.

  12. @ Peltner

    Erstens haben Sie schon die ganze Seite zitiert, weiter habe ich ausdrücklich nur die wichtigen Kernaussage wiederholt. Das was sie da noch wiederholen ist weitgehend eine juristische Nullaussage, weil Interessenabwägungen immer Ermessensentscheidung sind. Es müssen aber schon absolut beachtliche und schwerwiegende Gründe vorliegen um den Grundsatz der Vermeidung von Doppelstaatsangehörigkeiten, zu durchbrechen. Und diese werden im Regelfall eines Deutschen mit Green Card in den USA nicht vorliegen, da dieser weitgehend gleich wie ein US-Bürger in den USA behandelt wird. Die Begründung „es-wär-halt-geil-zwei-Staatsbürgerschaften-zu-haben“ reicht halt nicht.

  13. Sehr geehrter Wolferl,
    Verzeihung, da habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Editiert werden Beleidigungen und Angriffe.
    Vorsicht Ironie: Wenn Sie mir eine „deutsche Ehrenstaatsbürgerschaft“ verleihen würden, hätte ich dann die doppelte deutsche Staatsbürgerschaft? 😉

  14. @Wolferl: Es geht hier gar nicht um meine Person, ich kenne Dutzende von Deutschen in den USA, die nun die doppelte Staatsbuergerschaft haben. Es wurde ueber ein Konsulat oder die Botschaft beantragt, von dort weiter an das Bundesverwaltungsamt geleitet und in Koeln geprueft.
    Es ist schon beachtlich, wie Sie Ihre persoenliche Sichtweise auf ein Anliegen uebertragen, das durch eine bundesdeutsche Behoerde ausgiebigst geprueft wird. Es geht dabei um Gesetz und die Begruendung im Einzelfall.
    Ganz einfach gesagt, Sie sind gegen eine doppelte Staatsbuergerschaft und uebersehen dabei, dass dies heute eben moeglich ist, ganz rechtens, ohne „gute Kontakte“ und voll im Einklang mit dem deutschen Gesetz.
    Und, wenn ich mich recht entsinne, habe ich die Begruendung “es-wär-halt-geil-zwei-Staatsbürgerschaften-zu-haben” in meinem Antrag nicht angegeben.
    Was ich an Ihren Kommentaren so schaetze ist, dass Sie oftmals ueber Dinge reden, von denen Sie keine Ahnung haben. Sie sind sicherlich belesen, keine Frage, aber ich denke, Sie brauchen mir nicht das Leben in den USA zu erklaeren. Das kenne ich, gestehen Sie mir das bitte zu, etwas besser als Sie.
    Ich wuerde Ihnen vorschlagen, wenden Sie sich doch an das Bundestagsabgeordnetenbuero Ihres Vertrauens und versuchen, „das zum 1. Januar 2000 in Kraft getretene Gesetz zur Änderung des Staatsangehörigkeitsrechts“ wieder zu aendern.
    Gutes Gelingen!!!

  15. @ Peltner

    Ich übersehe hier gar nichts und brauche auch was die USA anbelangt keine Gesetzesänderung, denn der Grundsatz der Ein-Staaten-Staatsbürgerschaft besteht ja nach wie vor im deutschen Staatsangehörigkeitsrecht. Dass es Ausnahmen von dieser Regel gibt wenn gewichtige Gründe vorliegen ist nichts Neues, das war schon immer möglich, nicht erst seit 2000. Es steht allerding zu vermuten, dass die eindeutige gesetzliche Regelung durch eine an´s rechtswidrige grenzende Verwaltungspraxis oft unterlaufen wird. Gelinde ausgedrückt.

  16. Hallo Wolferl,
    sie sprechen Arndt Peltner die deutsche Staatsbürgerschaft ab,sagen sogar,er ist jetzt kein Deutscher mehr, sprechen von Landesverrat.Warum so persönlich?
    Dennoch stellt sich die Frage, wann ist jemand in Ihren Augen Deutsche oder Deutscher?
    – Geburtsland Deutschland — trifft bei Arndt Peltner zu
    -Arbeitsmittelpunkt in und für Deutschland – trifft zu
    – hält sich an dt. Recht – trifft zu
    – hat wirkliche Bindungen (wie Sie es nennen)durch große Familie und viele Freunde als manch anderer hier unter uns – trifft zu
    Also, wo lag nochmal Ihr Problem ??
    Stimmt, Ihnen hat sein Artikel nicht gepasst, aber deswegen so persönlich werden ?
    Ich jedenfalls fand den Artikel sehr gut, klar begründet und nachdenkenswert.

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