Die Freiheit steht auf dem Spiel

Fast zeitgleich ging es mal wieder um Waffen und der Unterschied in der Diskussion hätte nicht größer sein können. Während Präsident Barack Obama in einer Rede im mexikanischen „Museo Nacional de Antropologia“ eine zumindest Mitschuld in der Gewaltspirale im südlichen Nachbarland eingestand, traf sich im texanischen Houston die National Rifle Association (NRA) zu ihrem jährlichen Treffen. Der Präsident wies daraufhin, dass rund 70 Prozent der Waffen im Drogenkrieg Mexikos aus den USA stammten, die NRA forderte ihre Mitglieder auf, sich für einen „Kulturkrieg“ zu rüsten und die „Freiheit“ zu verteidigen.

Fakt ist, in Mexiko gibt es ein Recht auf Waffenbesitz. Allerdings gibt es nur einen Waffenladen im ganzen Land, der befindet sich in Mexiko City und wird vom Militär kontrolliert. Die Pistolen und Gewehre, die im Drogenkrieg der Syndikate zum Einsatz kommen, stammen fast ausschließlich aus den Vereinigten Staaten, illegal über die Grenze geschmuggelt. Das ist mittlerweile belegt, darüber gibt es keine Diskussion mehr. In Grenznähe gibt es Tausende von „Gun Stores“, die ihren Profit vor allem durch Käufer aus Mexiko erwirtschaften. Darunter Familienväter, die eine Waffe zum Selbstschutz wollen, doch vor allem Kriminelle, die das blutige Morden im Süden mit hochkalibrigen Schußwaffen befeuern. Der Grenzübergang von Nord nach Süd ist problemlos, kontrolliert wird man so gut wie gar nicht. Auch nicht in einer Stadt wie Ciudad Juarez, die jahrelang im Mittelpunkt des Drogenkartellkrieges stand. Obama sieht die Problematik, weiß, dass Amerika eine Mitschuld an der Gewalteskalation im Nachbarland hat. Doch er kann im Norden und im Süden der Grenze predigen, was er will, verändern wird sich daheim nichts.

Das hat mal wieder die NRA in Houston demonstriert. 70.000 kamen zur Konferenz, natürlich mit Schußwaffen griffbereit. Ihr designierter Präsident James Porter erklärte vor der jubelnden Mitgliedschaft: „Dies ist kein Kampf um Waffenrechte mehr. Dies ist ein Kulturkrieg. Ihr in diesem Raum seid die Freiheitskämpfer. Wir sind die Beschützer.“ Natürlich waren auch wieder zahlreiche prominente Republikaner erschienen, die den Schulterschluß mit der Waffenlobby suchten. Rick Santorum, Sarah Palin und natürlich auch der texanische Gouverneur Rick Perry, der meinte, „man kann schon fast seine Uhr danach richten, wie lange es nach einer Massenschießerei dauert, bis die Leute, die Waffen und Waffenbesitzer hassen, eine neue Kampagne beginnen.“ Viel zynischer könnte die Hinrichtung von 20 Grundschulkindern nicht dargestellt werden.

Der Amoklauf von Newtown und andere Wahnsinnstaten wurden immer wieder direkt und indirekt auf dem Treffen der NRA angesprochen, doch die Bedeutung dieser Schießereien für die USA ganz anders ausgelegt. Kontrolle, Beschränkung, technische Veränderungen….davon war nicht die Rede. Sarah Palin, das Darling der Tea-Party Bewegung, rief den NRA Mitglieder vielmehr zu, sie sollten ihren Glauben nicht verlieren. „Steht auf und kämpft für Eure Freiheit.“

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Um zu überprüfen, dass Sie eine reale Person und kein Spam-Roboter sind, lösen Sie bitte vor dem EINTRAGEN die nachfolgende kleine Rechenaufgabe, das sogenannte CAPTCHA *