Keine Hinrichtung in Kalifornien

Seit Anfang 2006 brannte die rote Lampe nicht mehr auf der Todeskammer im Staatsgefängnis von San Quentin. Der Schalter dafür wird nur umgelegt, wenn eine Hinrichtung angesetzt ist. Bis vor das Tor des Gefängnisses kann man dann das rote Licht sehen. Damals, 2006, war ich im Gefängnis als Medienzeuge für die Exekution geladen. Durch einen Hintereingang wurden die Reporter auf das Gelände von San Quentin gebracht. Am Eingang wurde mir dann eine goldene Karte ausgehändigt, die mich zum Zugang zur „Death Chamber“ berechtigt hätte.

Doch alles kam anders in jener Nacht. Bis halb vier morgens warteten die Journalisten im Gefängnis und die Demonstranten vor dem Tor, dann war klar, erstmal passiert nichts. Wir sollten am Nachmittag wiederkommen, hieß es. Doch nach mehreren Stunden wurde deutlich, die Hinrichtung wird nicht stattfinden. Ein Richter hatte in einem Eilverfahren die Exekution von Michael Morales blockiert. Seine Anwälte hatten glaubhaft machen können, dass der Drogencocktail, der verabreicht werden sollte, unverhältnismäßige Schmerzen für den Todeskandidaten verursachen würde. Hinzu kam, dass kein Arzt bei der Hinrichtung zugegen war. Der Staat Kalifornien müsse einen neuen, sicheren und akzeptablen Weg für Exekutionen finden.

Seitdem sind etliche Jahre ins Land gegangen. Der Bundesstaat hat eine sündhaft teure neue Hinrichtungskammer in San Quentin gebaut, die bislang jedoch noch nicht eingeweiht wurde. Die Juristen im Dienst des kalifornischen Staates versuchen zwar wieder einen Freibrief für die Vollstreckung der Todesurteile zu bekommen, doch erfolglos. Nun hat erneut ein Berufungsgericht gegen die Durchführung der Höchststrafe gestimmt. Für Gouverneur Jerry Brown ist das sicherlich ein Glücksfall, er ist erklärter Gegner der Todesstrafe und würde im Falle einer Hinrichtungsunterzeichnung in arge Gewissensnöte kommen. Die 736 Gefangenen auf Death Row, der größten in den USA, warten unterdessen also weiter auf einen Entscheid über ihre Zukunft.

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