Wo ist der Aufschrei?

Vor ein paar Tagen war es wieder soweit. Eine Schlagzeile, ein Mord in Oakland. Diesmal schlich jemand kurz vor drei Uhr morgens an ein Haus heran und feuerte mehrere Schüsse ins Schlafzimmer. Er traf den 19jährigen Andrew Thomas und dessen 16 Monate alten Sohn Drew Jackson ins Gesicht. Beide starben im Schlaf. Den Abend zuvor gab es überall in den USA die jährlichen „National Night Out“ Blockparties, auf denen Nachbarn sich kennenlernen, zeigen, dass sie sicher in ihren Straßen sind. Auch in Oakland waren tausende von Menschen draußen und wollten ein Zeichen setzen.

Doch 24 Stunden später holte sie die bittere Realität ein. Zwei weitere Namen kamen auf die Mordliste 2013 für Oakland. Und die Opfer werden immer jünger. 16 Monate war Drew Jackson alt. Auch wenn sein Vater in irgendetwas verwickelt war, Bandenkrieg, Drogen…ich weiß es nicht, immer mehr Kinder werden Opfer des blutigen Krieges auf den Straßen dieser Stadt. Und ich frage mich, wo ist der Protest, wo die Demonstrationen, wo die Wut gegen sinnlose Morde in den Nachbarschaften dieser Stadt? Drew Jackson starb nur gut eine Woche nach der Beerdigung der achtjährigen Alaysha Carradine, die ebenfalls im Schlaf von tödlichen Kugeln getroffen wurde.

Einige Politiker in Oakland werten es als gutes Zeichen, dass die Mordrate in diesem Jahr unter der vom Vorjahr liegt. Man tue was, etwas werde richtig gemacht, sagen sie. Doch bei über 60 Morden Mitte August und rund 300 Schießereien in der Stadt muß man sich ernsthaft fragen, ob diese gewählten Volksvertreter eigentlich wissen, was sie da sagen.

Oakland ist nicht die einzige amerikanische Stadt, die derzeit hart getroffen ist, die mit einer eskalierenden Gewaltspirale zu kämpfen hat. Überall im Land stehen Kommunen vor dem Problem, die Gewalt auf den Straßen unter Kontrolle zu bekommen. Die Statistiken des FBI belegen zwar, dass die allgemeine Mordrate in den USA weiterhin fällt, doch das ist kein Grund wegzuschauen, wenn ganze Städte zu zerbrechen drohen. Oakland hat ein Problem und die Bürgermeisterin, der kalifornische Gouverneur und auch der amerikanische Präsident haben diesen Krieg in den eigenen Straßen noch nicht zur Priorität erklärt. Warum?

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