Ein Jahrhundertbau wird eröffnet

Seit letzten Mittwoch war die Bay Bridge gesperrt. Die letzten Handgriffe, die letzten Baumaßnahmen, die letzten Aufräumarbeiten, dann war es soweit. Seit gestern Abend um 22:15 Uhr Ortszeit fließt der Verkehr wieder auf der Bay Bridge. Der Neubau des Ostteils von Oakland nach Yerba Buena Island wurde am Nachmittag feierlich eröffnet. Wenige Stunden danach leiteten mehrere Streifenwagen der Highway Patrol den Verkehr vom alten auf den neuen Teil um. Damit geht eine Endlossaga in Kalifornien vorerst zu Ende.

1989 wurde die Brücke schwer vom Loma Prieta Erdbeben beschädigt. Der Westteil mit seinen gewaltigen Türmen konnte repariert, verstärkt und erdbebensicher gemacht werden. Der Ostteil hingegen, das war schnell klar, mußte durch einen Neubau ersetzt werden. Die 77 Jahre alte Stahlkonstruktion war nicht erdbebensicher. Doch kalifornische Politiker sind bekannt dafür, dass hier viel debattiert und zerredet wird und am Ende kommt keine Entscheidung heraus. 1998 einigte man sich endlich auf ein Design für den Ostteil der am meisten befahrenen Brücke in der San Francisco Bay Area. Geschätzte Kosten: 1,4 Milliarden Dollar. Geschätzte Bauzeit: 4 Jahre. Doch daraus wurde nichts. Das Hin und Her der Politiker nahm kein Ende. Änderungswünsche von profilsüchtigen Lokalpolitikern, Pannen beim Bau und eine Verwaltung, die einfach bezahlte ohne zu prüfen machte die Bay Bridge zu einem Fass ohne Boden. Am Ende wurden 6,4 Milliarden Dollar in elf Jahren verbaut. Und, die Brücke ist noch nicht einmal fertig. Im Frühjahr wurde bekannt, dass viele der Metallbolzen, die zur Verankerung genutzt wurden, aufgrund von falscher Lagerung kleine Risse aufweisen und ausgewechselt werden müssen. Auch ist der Fahrrad- und Fußgängerweg bis Buena Vista Island noch lange nicht fertig gestellt.

Doch all das war kein Grund, um nicht zu feiern. Politiker aus San Francisco und Oakland rückten sich auf einer eher überschaubaren Feier ins rechte Licht. Die große Party wurde im Frühsommer abgesagt, als der Eröffnungstermin verschoben werden mußte. Nur geladene Gäste waren am Montag erlaubt. Noch nicht mal die Ingenieure und Arbeiter, die Tag und Nacht an dem Jahrhundertbau gebaut hatten, waren zugelassen. Zumindest in ein paar der Reden wurde daran erinnert, dass man aus diesem Fiasko Bay Bridge lernen sollte. Man kann es nur hoffen!

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