Der Klangbereiniger ist tot

„Herr Peltner, Ray Dolby hier. Meine Frau wird Sie noch im Laufe des Tages anrufen“. Etwas überrascht und erstaunt hörte ich diese Nachricht auf meinem Anrufbeantworter. Das war vor einigen Jahren, als ich für den WDR ein Portrait von Dagmar Dolby, der deutschen Ehefrau des Soundtüftlers, produzieren wollte. Ray Dolby rief direkt an, kein Mitarbeiter, kein Pressesprecher, keine Sekretärin, nein, er selber machte das. Und das war typisch für ihn. Später kam dann noch ein längeres Feature für den BR über seine Arbeit hinzu, auch da klärte er die Termine direkt mit mir ab. Als wir uns dann in seinem „Dolby Lab“ in San Francisco für das Interview trafen, nahm er sich viel Zeit, führte mich herum, erklärte alles bereitwillig. Anschließend lud er mich zum Essen ein, holte seinen Jaguar aus der Garage und gemeinsam fuhren wir runter nach Belmont, wo die Produktionsstätte der Firma ist. In dem Gespräch erklärte er auch an einer Stelle, dass der Sound mittlerweile perfekt sei, man könne ihn nicht mehr klarer machen. Das sagte er nicht mit einer Überheblichkeit, das meinte er mit einer tiefen Zufriedenheit.

Ray Dolbys Name ist weltbekannt, er steht auf rund 7,4 Milliarden Produkten. Irgendwie sind wir also alle mit Dolby aufgewachsen und ich erinnere mich noch, dass ich als Jugendlicher vor meiner Nordmende Stereoanlage saß, die ich mir nach meiner Firmung kaufte, und überlegte, für was die Buchstaben DOLBY wohl stehen könnten, „Digital…On….Light….Broadcast….“ Blödsinn, Dolby steht für nichts, eben einfach Ray Dolby. Jenen Mann, der den Sound in Film und Heimstereoanlagen revolutionierte.

1933 wurde er in Oregon geboren, seine Familie zog schon kurz nach der Geburt in die Bay Area, wo er aufwuchs und zur Schule ging. Nach seinem Studium in Stanford, zog er als Doktorand nach Cambridge. Dort lernte er auch seine sprätere Frau Dagmar kennen. Dolby war überzeugt und besessen davon, den Klang zu bereinigen. In einer Garage gründete er seine Firma und machte sich einen ersten Namen in der Rauschunterdrückung bei Klangaufnahmen. Den großen Durchbruch hatte er schließlich nach seiner Rückkehr nach Kalifornien. Er klopfte bei den Filmstudios an und hatte irgendwie seinen Fuß in der Tür. Doch dann kam in den späten 70er Jahren George Lucas, der die Vision von Klangexperimenten in „Krieg der Sterne“ hatte und Ray Dolby konnte genau das liefern. Danach war die Firma Dolby nicht mehr aufzuhalten. Dolby wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet, von Oscars bis hin zur „National Medal of Technology and Innovation“ durch Präsident Bill Clinton.

Bewußt hielt er sich von der Herstellung von Konsumerprodukten fern, wie er mir im Interview sagte, und verkaufte lieber seine Technik an die Unternehmen. 50 Patente hatte er angemeldet. Die Endprodukte wurden dann immer in den Standorten in England und Kalifornien auf die DOLBY Tauglichkeit geprüft.

Ray Dolby brachte sich auch in San Francisco ein, unterstützte Theater und Film, auch das deutschsprachige Filmfestival „Berlin & Beyond“ wurde von ihm gefördert. Mit Ray Dolby verliert die Film- und Technikwelt einen der ganz großen Innovatoren. Der 80jährige Milliardär verstarb am Donnerstag in seinem Haus in San Francisco.

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