Tief im Westen….

Herbert Grönemeyer in San Francisco     

…gleich am Golden Gate war es für Herbert Grönemeyer ein Heimspiel. Am vorletzten Tag seiner ersten US Tournee durch 12 Städte, machte der deutsche Superstar Halt in San Francisco. “Bimbo’s”, ein alter, traditionsreicher Club in North Beach war mit rund 600 Gästen nahezu ausverkauft. Und wie eigentlich überall auf der Tour, waren rund 80 Prozent im Publikum Deutsche, die ihren “Herbert” mal live und aus der Nähe sehen wollten.

Grönemeyer ist auf Tour durch die USA um für seine englischsprachige Platte “I walk” zu werben. Die geht zwar irgendwie unter, denn das Interesse am „deutschen Bruce Springsteen“, wie er immer wieder in Pressetexten angekündigt wird, ist in der amerikanischen Radiolandschaft mäßig. Er wolle eine neue Herausforderung, mit seiner Musik neue Hörer erreichen, meinte er im Juli am Telefon. Ihm sei aber durchaus klar, dass Amerika nicht auf ihn und seine Musik gewartet habe.

Gewartet haben die Amerikaner sicherlich nicht, dennoch, Herbert Grönemeyer lieferte ein schweißtreibendes Programm ab. Altbekanntes wechselte sich mit Songs der neuen Platte ab, er unterhielt das Publikum, erklärte einige Songs wie “Flugzeuge im Bauch”… warum eigentlich, der Großteil sang lautstark mit. Dann änderte er auch mal spontan die Setlist für ein Ehepaar, das extra aus Kanada angereist kam, um ihn live zu sehen. Im Restaurant vor dem Konzert sprachen sie ihn an und erzählten, sie hätten zu “Halt mich” geheiratet”. Herbert reagierte sofort und spielte den Song und gerade diese Nähe zu seinen Fans, seine unkomplizierte und auch direkte Art machen ihn sympathisch. Er ist nicht der entfernte Star auf der Bühne, er ist der da aus Bochum, der auch hier in San Francisco das Steigerlied singt.

Grönemeyer sang vor allem auf Englisch, ließ sich dabei auch nicht von den regelmäßigen Rufen “Sing Deutsch” aus der Fassung bringen. Die größte Stimmung kam jedoch immer dann auf, wenn “Uns Herbert” wirklich auf Deutsch sang. “Was soll das?” oder der Ewigklassiker “Bochum” waren Selbstläufer im Kreis der deutschen Gemeinde, die vom deutschen Generalkonsul bis hin zu Praktikanten der High Tech Unternehmen reichte. Er selber fand es gar nicht schlimm, dass er hier in den USA vor allem vor Deutschen spielt: „Es ist ganz schön. Meistens war es oft so, dass Deutsch-Amerikaner ihre Partner mitgebracht haben, die dann zum Teil amerikanisch sind. Das ist doch wunderschön, dass die da sind. Das sind ja genauso Amerikaner wie alle anderen auch.“ Und fügte hinzu: „Wir kommen bestimmt nächstes Jahr wieder. Wir sind selber überrascht, wie schön das ist für uns. Und wir kommen auf jeden Fall jetzt regelmäßig zurück.“

Herbert Grönemeyer kann sich nach all den Jahren im deutschsprachigen Musikgeschäft sicherlich diese Ausflüge in die USA leisten. Ob es sich finanziell lohnt, kann ihm egal sein, doch so nah wie hier war er seinem Publikum schon lange nicht mehr.

Und hier findet man das ausführliche Interview mit Herbert Grönemeyer im Vorfeld der Tour.

 

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