Jetzt kennt man Merkel auch in Amerika

So viel Presse hat Angela Merkel noch nie bekommen. In Amerika. Da reist sie regelmäßig zu ihrem amerikanischen Freund Barack Obama, doch das kriegen nur ein paar interessierte Leser der New York Times, des Wall Street Journals oder der Washington Post mit. Nun aber berichten die Tageszeitungen in der Knüste, die TV Lokalsender zwischen Green Bay und Half Moon Bay über die deutsche Kanzlerin und zeigen ein Bild von Angela Merkel am Handy.

Eigentlich sind die Amerikaner immer stolz darauf, was ihre Geheimdienste und militärischen Abhörspezialisten so alles mitbekommen. Osama bin Laden hat man ja auch nur deshalb gefunden, weil irgendwo auf dieser Welt jemand telefonierte und irgendwo auf dieser Welt ein anderer zuhörte, der eigentlich gar nicht am anderen Ende der Leitung war. Tolle Sache für die „US Spies“. Doch bei diesem großen Lauschangriff handelte es sich um die jahrelange Terrorfahnung nach Osama bin Laden. Nun ist es Angela Merkel, Kanzlerin eines engen Verbündeten, Vertrauten, Freundes.

In Amerika sind immer mehr Menschen davon geschockt, was sich im Weißen Haus tut. Von einem George W. Bush hätte man erwartet, dass er den Kriegsgegner Gerhard Schröder abhören läßt. Von einem Barack Obama ist man zutiefst enttäuscht und angewidert, dass er die Abhörmaßnahmen seines Vorgängers noch verstärkt und ausgebaut hat und darüber hinaus auch noch lügt, sogar im direkten Gespräch mit seiner „Freundin“ Angela Merkel.

Und was sagt das Weiße Haus dazu: die anderen machen es ja auch. Das ist ein Argument für die Tonne, nein, das macht es nur noch schlimmer. Denn klar ist, Amerika hat nicht nur große Ohren für seine Gegner und Kritiker. Die USA vertrauen eigentlich niemandem. Was das für langfristige Folgen haben wird, ist noch nicht absehbar. Doch es sollte Folgen haben. Im Umgang Deutschlands mit den USA, im Umgang Europas mit den USA. Und dann auch für einige in der Bundesregierung, die das Thema Abhörskandal frühzeitig ad acta gelegt haben. Es war ja Wahlkampf, es ging ja um den großen Bruder USA und nur um die eigenen Bürger. Alles halb so schlimm. Mit dem großen Lauschangriff im Regierungsviertel sollte jedoch klar sein, dass dieses Thema noch lange nicht beendet ist. Die Aufarbeitung fängt gerade erst an.

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