Same procedure as every year

Jahrestage sind doch was schönes. Man kann sich erinnern, man hat was zum Reden, man kann betroffen sein. Und man kann zeigen, dass sich eigentlich nichts verändert hat. Als vor einem Jahr in Newtown, Connecticut, 20 Kinder und sechs Mitarbeiter einer Grundschule erschossen wurden, war der Aufschrei groß. Amerika, so hieß es, müsse endlich einsehen, dass man ein Waffenproblem habe und es so nicht weitergehen könne. Auf 300 Millionen Amerikaner, so schätzt man, kommen 350 Millionen Schießeisen.

Unzählige Protestveranstaltungen und Gedenkminuten, Trauerfeiern und Anhörungen später, 12 Monate sind vergangen und nichts hat sich getan. Vor einem Jahr schöpften all jene in den USA Hoffnung, die für strengere Waffengesetze kämpfen. Kinder in einer Grundschule waren Opfer, wurden kaltblütig erschossen, das müßte doch nun endlich das Fass zum Überlaufen bringen. 80 Prozent der Amerikaner sprachen sich in den Wochen danach für Verschärfungen der Gesetze aus. Doch schon damals schrieb ich „Laßt mir meine Knarre“ und leider behielt ich Recht. Am Freitag gab es erneut eine Schießerei in einer Schule in Colorado, am Samstag gedachte Präsident Barack Obama im Weißen Haus der Opfer von Newtown. Kerzen wurden angezündet und sogar die wöchentliche Radioansprache des Präsidenten erinnerte an die Tragödie ein Jahr zuvor.

Wöchentliche Radioansprache      

Die amerikanische Waffenlobby hat es mal wieder geschafft und ist stärker als je zuvor. Wenn noch nicht einmal das Abknallen von Kleinkindern zu Beschränkungen und Kontrollen und Verschärfungen im Waffengesetz führen, dann kann man Amerika nicht mehr helfen. Man kann nur warten, bis wieder ein Amoklauf passiert. Man kann nur hoffen, dass man dann nicht gerade zur falschen Zeit am falschen Ort ist.

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