Limonadenkrieg am Golden Gate

San Francisco ist mal wieder in den Schlagzeilen. Die Konservativen in den USA werden es als „Nanny State“, als „Liberal Values“, als übertrieben und anti-amerikanisch umschreiben, wahrscheinlich kommt auch noch das Argument, dass das was mit „Obamacare“ zu tun hat, was da einige Stadträte in der City by the Bay vorhaben. Die Supervisors Scott Wiener und Eric Mar hatten schon im vergangenen Jahr vorgeschlagen, pro Cola-, Limo- und anderen gezuckerten Softdrinkdosen eine 2 Cent Steuer zu erheben, um so die wachsende Fettleibigkeit in den USA zu bekämpfen. Die übergesüßten Getränke werden schon lange mit dafür verantwortlich gemacht, dass Kinder immer dicker werden und Diabetes bei Erwachsenen epidemisch steigt. In dieser Woche wird der Stadtrat darüber entscheiden.

Die Limo-Industrie ist schon lange ins Schußfeuer von Gesundheitspolitikern geraten. Die vergleichen sogar den Kampf gegen gezuckerte Getränke mit dem Kampf gegen die Tabakindustrie. Und das ist gar nicht so einfach vom Tisch zu weisen. Die Erzfeinde Coca Cola und Pepsi Cola haben sich genauso zusammen getan, wie damals der Marlboro Man auf Joe Camel daher geritten kam. Nur gemeinsam sieht man eine Chance diese Angriffe auf unbehinderte und freie Verkaufswege zu verhindern. Auch der Kampf gegen den blauen Dunst fing auf lokaler Ebene an. Auch damals in der Bay Area, in Contra Costa County. Und nicht nur das, damals machte die Tabakindustrie deutlich, dass Gesundheitsprobleme von Rauchern ja nicht nur vom Rauchen kommen könnten. Genauso argumentiert die Soda-Industrie, eine Cola ist ja wohl wirklich nicht alleine für die Zuckererkrankung von Nachbar Heini Hirsch verantwortlich zu machen. Der „Fight“ gegen lokale Steuern ist also ein ernstzunehmender Test gegen ausufernde Beschränkungen für die Limonadenmischer.

Die Marktriesen im Getränkegeschäft investieren deshalb Millionen Dollar, um ihre süßen Limos als gesund und wohlschmeckend feil zu bieten. Coca Cola, ein Stück Heimat, ein Stück Amerika. In zahlreichen, besonders von Fettleibigkeit betroffenen Distrikten San Franciscos ist es normal in jedem Cornerstore eine Cola im Dutzendpack zu bekommen, aber an gesundes Obst und Gemüse kommt man da nur unter erschwerten Bedingungen. Die 2 Cent Steuer soll nur bei gesüßten Limos, Sport- und Energydrinks anfallen, nicht bei 100 Prozent Frucht- und Gemüsegetränken. Rund 31 Millionen Dollar hoffen die SF Supervisors pro Jahr mit der neuen Steuer zu erzielen, um dieses Geld in Ernährungs- und Fitnessprogramme in den Stadtteilen zu investieren.

Die Frage steht also nun im Raum, wie weit darf die Fürsorge der Regierung, in diesem Fall der Stadtführung gehen? Ist es die Aufgabe der gewählten Repräsentanten dem Bürger vorzuschreiben, was er essen und trinken darf und wo ist da die Grenze erreicht? Was ist mit Schokolade, Süßigkeiten, übertriebenem Fleischkonsum?

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