Blutiger Jahresanfang

Alles beim Alten in Oakland. Vor ein paar Wochen freute sich Jean Quan noch und erklärte, ihre Gewaltpräventionsprogramme zeigten endlich Ergebnisse. „Nur“ 92 Morde im Jahr 2013 seien ein Erfolg ihrer Politik, kommentierte die Bürgermeisterin. Im Vorjahr lag die Mordrate noch bei 131 in ihrer Stadt. Quan ganz selbstsicher und selbsteingenommen schielt bei solchen Aussagen bereits auf den Wahltag im November 2014. Denn dann stellt sie sich zur Wiederwahl. Vieles hängt davon ab, ob sie Oakland sicherer gemacht hat. Eine hohe Mordrate passt da nicht so gut ins Bild. Aber die Statistik zeigt ja nun einen Fall von 131 auf 92, eine Reduzierung, so deutlich wie seit 40 Jahren nicht mehr. Dank Jean Quan?

Wohl kaum, denn die Situation auf den Straßen Oaklands hat sich kaum verändert. Am Samstag wurden die Opfer 10 und 11 gezählt. Ein 15jähriger Junge und ein 35jähriger Mann, die vor einer Freizeiteinrichtung des „Boys and Girls Club“ in West-Oakland standen. Einfach so. Ein noch Unbekannter ging auf sie zu, zog eine Schußwaffe und feuerte auf jeden der beiden mehrere Schüsse ab. Die Opfer starben noch, bevor sie ins Highland Hospital gebracht werden konnten. Zwei weitere Tote, die Bürgermeisterin Jean Quan die guten Nachrichten zunichte machen und die zeigen, dass sich nichts in dieser Stadt verändert hat.

Die Bürgermeisterin hat eigentlich keinen Plan und hofft, mit ein paar Pflastern hier und da, die Sache in den Griff zu bekommen. Da werden ein paar mehr Polizisten auf die Straßen geschickt, dort kauft man schon mal ein paar Knarren von Leuten zurück „no questions asked“ und da stellt man sich tief betroffen hinter die Familie eines weiteren Opfers und fordert ein Ende der Gewalt. Wohlfühlhilfen, wir tun ja was. Aber all das nutzt so gut wie nichts, um das Morden auf den Straßen der Stadt zu beenden.

Was Oakland braucht ist eine neue Stadtführung, die das Gewaltproblem in Oakland zur höchsten Priorität macht. Die ganz deutlich sagt, alleine läßt sich das Morden in Oakland nicht beenden. Aber dafür ist das Ego einer Bürgermeisterin wie Jean Quan zu groß, die lieber in Hinterzimmern Pläne schmiedet, die keiner kennt und keiner versteht.

Ich weiß, in Nürnberg stehen dieses Jahr auch Wahlen an. Die Probleme liegen da ganz woanders. Verkehr, Stadtentwicklung, Mietpreise, SÖR… Aber das sind Probleme, mit denen man sich beschäftigen, über die man auch vehement streiten und diskutieren sollte. In Oakland kommt man dazu gar nicht. Hier geht es um die Sicherheit der Bürger. Darum, dass junge Afro-Amerikaner, junge Latinos ohne Angst über den Haufen geknallt zu werden aufwachsen können. Darum, dass man in einigen Gegenden nicht ständig aufpassen muß, nicht in einen Schußwechsel zu geraten oder von jemandem mit einer Knarre in der Hand nach seinem Geld gefragt zu werden. Das ist der Alltag in Oakland. Das ist Wahlkampfthema in Oakland.

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