Die Kunst als Opfer

Es ist mal wieder soweit. San Francisco, die Stadt am Golden Gate wird vergoldet. Ende der 90er Jahre erlebten wir hier schon einmal das Ausbluten der Kunst- und Kulturszene. Der High Tech Boom brachte viel Geld, neue Jobs und vor allem astronomische Mieten mit sich. Künstler, Musiker und Kulturschaffende aller Art wurden immer mehr verdrängt. Erst in die Stadtteile am Rande der Metropole, dann über die Bay nach Oakland. Etliche von ihnen zogen sogar ganz weg aus der Region. Viele tauchten wieder in Berlin auf.

Und nun wiederholt sich das ganze. In Downtown San Francisco erlebt man derzeit ein Galeriesterben. Eine nach der anderen Galerie macht dicht. Das liegt nicht am mangelnden Interesse an Kunst. Ganz im Gegenteil, San Francisco ist eine Kunstmetropole. Vielmehr breiten sich die Dot.com Firmen erneut aus, es ist wieder viel Geld im Umlauf, eine neue Blase wird heran gezüchtet. Die Vermieter merken das, denn Büroflächen werden rar in der Stadt. Es ist mittlerweile normal geworden, dass Mieten Jahr für Jahr um bis zu 180 Prozent steigen. Neue Goldgräberzeiten sind angebrochen, da verdienen so einige Hauseigentümer einen erheblichen Rentenzuschlag fürs Nichtstun. Die Internetfirmen können sich die steigenden Mieten leisten, sie vergrößern sich derzeit sogar noch. Für Galerien und Kultureinrichtungen in Downtown ist damit jedoch das Ende angebrochen. Sie können sich solch einen Mietwucher nicht länger leisten und ziehen sich zurück, suchen neue Möglichkeiten, Flächen, Ladenräume.

Doch auch in Stadtteilen, wie dem Mission Distrikt oder Portreo Hill sind die Mieten in der jüngsten Zeit in astronomische Höhen gestiegen. San Francisco verliert erneut im aktuellen Boom ein Stück von dem, was das Leben in dieser beeindruckenden Metropole ausmacht – die kulturelle Vielfalt, ein lebendiges Gemisch aus Hoch- und Subkultur.

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