„Fruitvale Station“ im deutschen Kino

Ja, was ist das denn? Mit grossem Interesse habe ich die Filmkritik einer „lokalen“ Zeitung zum Spielfilm „Fruitvale Station“ gelesen. Gleich am Anfang kommt der Klopper; Oakland wird lapidar als Vorstadt von San Francisco abgetan. Auch eine Sicht der Dinge. 400.000 Menschen leben in Oakland, in San Francisco sind es 750.000, die Städte grenzen auch nicht aneinander, die Bay Bridge verbindet sie. Oakland als Vorstadt zu bezeichnen ist ungefähr so, als ob man in Artikeln über Fürth nur von der Nürnberger Vorstadt sprechen würde. Aber wenn man in diesem Artikel kein einziges mal Oakland beim Namen nennt, das setzt dem Klopper noch einen Oberklopper drauf. Da schüttelt es mich.

Also, es geht um „Fruitvale Station“, einen Film, der in der Silvesternacht 2008 spielt. Damals wurde der 23jährige, unbewaffnete Oscar Grant auf dem Boden liegend von einem Polizisten der Regionalbahn BART erschossen. Eben in der Haltestelle „Fruitvale“ in Oakland, eine Station vor dem Oakland Coliseum, in dem die Golden State Warriors, die A’s und die Oakland Raiders spielen. Ich war anfangs durchaus skeptisch, ob man einen Film über die tödlichen Schüsse in der Neujahrsnacht 2009 machen kann und machen sollte. Der Regisseur hat sich damit auf sehr dünnes Eis begeben, das wußte er auch. Doch irgendwie hat er diesen Gang gut gemeistert. Das Ergebnis war durchaus überzeugend, gerade weil er Oscar Grant nicht als Helden oder Bürgerrechtler   dargestellt hat. Grant war zur falschen Zeit am falschen Ort. Und er war schwarz, was manchmal noch immer ein „Problem“ in den USA ist.

„Fruitvale Station“ ist eine Independent Produktion, die dennoch viel Unterstützung bekommen hat, gerade weil die Geschichte so wichtig für Oakland und für Schwarze allgemein ist. Oakland ist eine „schwarze“ Stadt. Hier gab es nach den tödlichen Schüssen auf Oscar Grant mehrmals massive Ausschreitungen. Nach dem quasi Freispruch des Bart Polizisten kam es zu Strassenschlachten. Und man rechnete damit, dass dieser Film erneut gewaltsame Proteste nach sich ziehen würde. Doch genau das Gegenteil passierte. Es blieb ruhig. Die Kinosäle waren voll und danach redete man vor den Theatern. Für Oakland und für viele andere afro-amerikanische „Communities“ in den USA war dieser Film der Ausgangspunkt vieler Diskussionen.

Man kann sicherlich diesen Film kritisieren, einiges wirkt platt, anderes ein bißchen weit hergeholt. Allerdings zu schreiben, dass die Preise, die „Fruitvale Station“ bekommen hat lediglich „Solidaritätsbekundungen“ seien, ist ein gewagtes Urteil. Das deutet für mich eher darauf hin, dass man sich nicht so sehr, mit der eigentlichen Geschichte und den Zusammenhängen, die hier ganz offen angesprochen werden, beschäftigt hat. Vielleicht steht es auch nicht so in der Pressemappe des Filmverleihs.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Um zu überprüfen, dass Sie eine reale Person und kein Spam-Roboter sind, lösen Sie bitte vor dem EINTRAGEN die nachfolgende kleine Rechenaufgabe, das sogenannte CAPTCHA *